Ottos Weg vom „letzten Kronprinzen“ zum Europapolitiker

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Otto wurde am 20. November 1912 als erstes Kind des designierten Thronfolgers Karl und dessen Gattin Zita in der Villa Wartholz in Reichenau an der Rax (NÖ) geboren. Als zukünftigem Kronprinzen wurde ihm früh große Aufmerksamkeit zuteil.

Beim Begräbnis seines Urgroßonkels Kaiser Franz Josephs im November 1916 ging er als vierjähriges Kind weiß gekleidet hinter dem Sarg, was ihn im Bewusstsein der Öffentlichkeit als Hoffnung der Dynastie positionierte.

Nach dem Tod seines Vaters wurde Otto von seiner Mutter Zita zum habsburgischen Thronprätendenten erzogen. Er erhielt eine gediegene Ausbildung und Erziehung gemäß den Traditionen der Dynastie. Am 20. November 1930 wurde er für großjährig  und zum Oberhaupt der Dynastie erklärt.

Nach seiner Promotion an der belgischen Universität Löwen zum Doktor der Rechte (1935) war Otto zunächst als Publizist tätig, wobei seine politische Arbeit als prononcierter Gegner des Nationalsozialismus und des Kommunismus immer stärker in den Vordergrund rückte. Kritisch gesehen werden heute die geringen Berührungsängste Ottos zu faschistischen und autoritären Regimes konservativ-katholischer Ausrichtung, wie dem österreichischen Ständestaat oder dem spanischen Franco-Regime.

In den Dreißigerjahren stilisierte sich Otto zur führenden Figur eines eigenständigen, katholisch geprägten Österreichs und bot an, aus dem Exil nach Österreich zurückzukehren, und als demonstratives Zeichen gegen den drohenden Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland die Regierung zu übernehmen, was durch die Annexion 1938 hinfällig wurde.

Während des Zweiten Weltkriegs führte Otto seine publizistische Tätigkeit weiter und wurde für das katholisch-konservative Lager zur Symbolfigur des österreichischen Auslandswiderstandes im Westen. Seine Versuche, in der unmittelbaren Nachkriegszeit in Österreich zu politischem Einfluss zu erlangen, scheiterten. Otto setzte seine politische Tätigkeit in Westeuropa fort, wo er für ein freies Europa der westlichen und christlichen Werte kämpfte und vor allem gegen das Verschwinden Ostmitteleuropas hinter dem Eisernen Vorhang protestierte.

Otto engagierte sich vornehmlich in der Paneuropa-Bewegung, deren Vizepräsident er von 1957 bis 1973 war; danach wirkte er bis 2004 als Nachfolger des Gründers Richard Nikolaus Graf von Coudenhove-Kalergi Präsident der Internationalen Paneuropa-Union. In Anerkennung seiner Leistungen wurde er nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn zum Ehrenpräsidenten dieser Organisation ernannt.

Im Jahre 1951 fand die Hochzeit von Otto Habsburg-Lothringen mit Prinzessin Regina von Sachsen-Meiningen statt. Der Ehe entsprangen sieben Kinder, fünf Töchter und zwei Söhne, darunter Karl (geb. 1961), das gegenwärtige Oberhaupt der Familie.

Otto wählte ab 1954 den bayrischen Ort Pöcking am Starnberger See als Wohnsitz, wo er in der „Villa Austria“ lebte. In der Folge nahm er eine intensive politische Tätigkeit in der BRD auf, wo er sich in der bayrischen CSU engagierte. Nach der Erlangung der deutschen Staatsbürgerschaft 1978 war er ab 1979 als CDU-Abgeordneter im Europäischen Parlament in Straßburg tätig.

1961 unterschrieb Otto eine Erklärung bezüglich seines Austrittes aus dem Haus Österreich und des damit verbundenen Verzichts auf etwaige Thronrechte. Dennoch entzündete sich an seiner Person in Österreich eine schwerwiegende Kontroverse, die unter der Bezeichnung „Habsburg-Krise“ zu einer massiven Vertrauenskrise zwischen den führenden politischen Parteien ÖVP und SPÖ führte.

Im August 1989 war Otto Mitinitiator des „Pan-Europa-Frühstücks“ an der österreichisch-ungarischen Grenze, das in der Folge mit zum Fall des Eisernen Vorhangs führte.

1999 legte er aus Altersgründen alle politischen Funktionen nieder, war aber weiterhin als Publizist tätig. Als „elder statesman“ und wichtiger Zeitzeuge war er ein interessanter und gesuchter Gesprächspartner, sorgte jedoch mit einigen umstrittenen Äußerungen hin und wieder für Irritationen.

Otto Habsburg-Lothringen verstarb am 4. Juli 2011 im Alter von 98 Jahren im Kreise seiner Familie in seinem Wohnsitz im bayrischen Pöcking. Sein Leichnam wurde am 16. Juli 2011 unter großer Anteilnahme der Bevölkerung in der Wiener Kapuzinergruft beigesetzt. Das Herz wurde als Zeichen seiner Verbundenheit mit Ungarn in der ungarischen Benediktinerabtei Pannonhalma bestattet.

Martin Mutschlechner