Ober, zahlen! Das Wiener Kaffeehaus

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Als muffige, vor allem von Männern bevölkerte Souterrainlokale hatten Kaffeehäuser in Wien bis Mitte des 18. Jahrhunderts wenig mit der noblen und lichten Atmosphäre der zur Trademark gewordenen "Wiener Kaffeehäuser" gemein.

Dieser Typus fand seine Vollendung erst mit der Ringstraße: 27 Kaffeesieder pachteten Lokalitäten am Ring, nur wenige sind bis heute erhalten. Die Kaffeehäuser waren Orte der Unterhaltung, des Gesprächs und des Vergnügens, manche Gäste verbrachten ihren ganzen Tag dort, unter anderem bei Billard und Schach. Sie stellten einen wichtigen Treffpunkt für KünstlerInnen und politisch Interessierte dar, wobei einzelne Gruppierungen unterschiedliche Kaffeehäuser ‚besetzten‘.

Die KünstlerInnen der Secession, der Hofoper, des Theaters an der Wien und anderer umliegender Kunstinstitutionen trafen im „Café Museum“ aufeinander. Die Innenarchitektur stammte von Adolf Loos. Im Gegensatz zu den gängigen Plüschlokalen fiel dieses Café durch seine kühle Atmosphäre und puristische Ausstattung mit Möbeln der Firma Thonet auf – und erregte die Gemüter. Der Kunstkritiker Ludwig Hevesi taufte es aufgrund seiner nüchternen Gestaltung „Café Nihilismus“.

Für Frauen war, so sie überhaupt am Kaffeehausleben teilnahmen, gelegentlich ein eigener „kleiner Salon“ in den Cafés reserviert, wie im „Café Schwarzenberg“, dem Kaffeehaus der Finanzwelt, in dem Geschäfte abgeschlossen wurden.

Berühmt sind die Wiener Kaffeehäuser bis heute als Treffpunkt der Literaten. Die Autoren von „Jung Wien“ erwählten ab 1880 das „Café Griensteidl“ zu ihrem Stammlokal. Auch Frauen gehörten zu diesem heterogenen Kreis von Schriftstellern – zu ihnen zählten Arthur Schnitzler, Hugo von Hofmannsthal, Richard Beer-Hofmann, Peter Altenberg und Felix Salten – sowie einigen Schauspielern, Malern, sogar Juristen und Psychoanalytikern. Über sie ist allerdings wenig bekannt. Die Autoren hatten kein gemeinsames Programm, vordringlich handelte es sich um junge Wiener aus liberalen jüdischen Familien, die als Begründer der modernen Literatur in Wien gelten. 1897 wurde im Zuge der Umgestaltung des Michaelerplatzes das Palais Herberstein, in dem das „Café Griensteidl“ untergebracht war, abgerissen. Danach übersiedelten die LiteratInnen ins nahe gelegene „Café Central“. Karl Kraus, der anfangs noch selbst lose der KünstlerInnengruppe angehört hatte, verspottete in seinem Aufsatz „Die demolirte Literatur“ „Jung Wien“ und die Kaffeehausliteraten, insbesondere die „Kaffeehausdekadenzmodernen“ Felix Salten, Hugo von Hofmannsthal und Arthur Schnitzler.

Julia Teresa Friehs