1717–1780

Maria Theresia: Auf den Spuren von „Habsburgs Übermutter“

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Maria Theresia machte aus dem anfänglichen Nachteil ihres Geschlechtes eine Tugend und stilisierte sich zur „großen Landesmutter“. In populären Darstellungen wird das Bild der resoluten Regentin, die mit mütterlichem Hausverstand ihre Länder wie eine große Familie regierte, immer noch gerne bemüht.

Maria Theresia blieb die einzige weibliche Regentin in der habsburgischen Geschichte – und sie hinterließ deutliche Spuren: Unter ihrer Herrschaft erlebte die Monarchie einen Modernisierungsschub, was sich in einer politischen Stabilisierung und kulturellen Blüte äußerte: Österreich durchlebte sein „Goldenes Zeitalter“.

Maria Theresia wird gerne als matriarchalische Übermutter der Habsburger dargestellt. Das Andenken an die Habsburgerin ist von einer starken Mythisierung geprägt. Die oft unkritische Verklärung ihrer Person und ihres Handelns lässt Maria Theresia zur „großen Landesmutter“ werden, die sich durch eine perfekte Verkörperung prototypischer monarchischer und weiblicher Tugenden auszeichne. Das Fundament zu diesem Mythos wurde bereits zu Lebzeiten Maria Theresias gelegt. Für Schloss Schönbrunn ließ die Monarchin ein Ausstattungsprogramm entwickeln, das die Höhepunkte ihrer Regentschaft und den Start der neuen Dynastie feiern sollte.

Schloss Schönbrunn kann man mit Recht als ihr Lebenswerk bezeichnen. Die berühmte Anlage trägt eindeutig Maria Theresias Handschrift, denn sie war in der Gestaltung ihres Lieblingsprojektes persönlich involviert – nicht immer zu dessen Vorteil, denn die Kaiserin war eine ungeduldige Bauherrin, die ihre Vorstellungen rasch und dennoch kostengünstig umgesetzt sehen wollte. In mehreren Bauetappen machte sie das Schloss und den Park zu einem Medium dynastischer Repräsentation.

Die Nachwelt errichtete der „großen Kaiserin“ zahlreiche Denkmäler, die von der Erhöhung Maria Theresias als populärste Herrscherin der habsburgischen Monarchie durch die patriotische Geschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts zeugen, die teilweise bis heute fortwirkt. Als Beispiel sei das monumentale Denkmal zwischen den beiden Hofmuseen am Wiener Maria-Theresienplatz genannt, das die thronende Herrscherin umringt von ihren Ratgebern zeigt. Es war dies das größte und teuerste Denkmal der Ringstraße.

Zahlreiche Straßen, Plätze und auch ganze Orte im Gebiet der Monarchie wurden nach Maria Theresia benannt. Auch einige bedeutende Institutionen trugen ihren Namen: Hier sei die Maria-Theresianische Militärakademie in Wiener Neustadt genannt, die 1752 gegründete Kaderschmiede der österreichischen Armee. Ein weiteres Beispiel ist das Theresianum: Maria Theresia übergab 1746 den ehemaligen Sommersitz ihres Vaters, die „Neue Favorita“ den Jesuiten zur Errichtung der Theresianischen Ritterakademie, einer Bildungsstätte für adelige Sprösslinge, aus der das heutige Gymnasium sowie die Diplomatische Akademie hervorgegangen sind.

Ebenfalls den Namen der Monarchin trägt der höchste militärische Verdienstorden der Habsburgermonarchie: Der Maria Theresien-Orden wurde von ihr 1757 gestiftet in Erinnerung an die Schlacht von Kolín, in der die österreichische Armee einen bedeutenden Sieg gegen Preußen erringen konnte.

Und nicht zuletzt wurde das Antlitz der Kaiserin durch den Maria Theresien-Taler in Erinnerung gehalten. Es ist dies eine Silbermünze, die weltweit im Verkehr war und öfters nachgeprägt wurde. Als namengebendes Abbild auf dieser heute als Sammlerstück gesuchten Münze ging das Porträt Maria Theresias um die ganze Welt.

Martin Mutschlechner