1273–1500

Männer sind Handwerker – und Frauen? Frauen- und Männerarbeit im städtischen Handwerk

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Frauenarbeit ist in vielen zeitgenössischen Darstellungen des städtischen Handwerks 'unsichtbar'. Nichtsdestotrotz waren Frauen in unzähligen Bereichen des städtischen Wirtschaftslebens tätig.

Bildliche Quellen des 15. und 16. Jahrhunderts wie das 1568 erschienene „Ständebuch“ von Jost Amman und Hanns Sachs vermitteln ein statisches Bild des städtischen Handwerks. Frauen werden höchstens als Zuarbeiterinnen bzw. Hilfskräfte oder als Kundinnen gezeigt. Seitens der Zünfte wurden Frauen am Übergang zur Neuzeit zusehends verdrängt und von den politischen Rechten, die damit verknüpft waren, ausgeschlossen. Politische Mitsprache in Form der Zünfte wurde als männliches Vorrecht verstanden. Oftmals ging es hier um Moralvorstellungen, die ein gemeinsames Arbeiten von Männern und Frauen kritisierten. Für Frauen galt es als verpönt, mobil und längere Zeiten von zu Hause abwesend zu sein – damit schied im Spätmittelalter der über größere Distanzen gehende Handel als weibliches Berufsfeld aus. Während der Menstruation war es ihnen vielerorts außerdem untersagt, mit Fleisch und Milchprodukten in Berührung zu kommen, um die Lebensmittel nicht zu ‚verunreinigen‘. Das Weinkeltern war ihnen sogar gänzlich verboten. Zwischen diesen normativen Vorgaben und deren alltäglicher Umsetzung herrschte freilich ein großer Unterschied. Im handwerklichen Alltag arbeiteten Frauen in den Betrieben der Ehemänner und Väter mit oder vertraten sie bei Abwesenheit und Krankheit. Als Witwen konnten sie die Betriebe bis zur Wiederverheiratung für eine gewisse Zeit weiterführen. Manche Gewerbe wie die Wäscherei waren Frauen vorbehalten, allerdings auch mit wenig Prestige verknüpft. Insgesamt arbeiteten Frauen in vielen Bereichen des städtischen Wirtschaftslebens. Die unselbstständigen, vielfach ‚unsichtbaren‘ und teils unbezahlten Tätigkeiten überwogen dabei jedoch.

Christina Linsboth