Kroatische Kolonisten für ein verödetes (Burgen)Land

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Kroatische Bauern wurden zum Schutz vor den Osmanen im heutigen Burgenland und Niederösterreich angesiedelt. Damit im Zusammenhang stand die Wiederbewirtschaftung verödeter Landstriche.

 

Viele Landstriche der östlichen Teile der Monarchie waren aufgrund der Türkenkriege verwüstet. Agrarkrisen und der Verfall der Getreidepreise verschärften den Druck auf Grundherren und Bauern, welche die erforderlichen Abgaben nicht mehr entrichten konnten. Vor allem das heutige Burgenland war davon betroffen.

Erst als sich in den 1520er und 1530er Jahren die Absatzmöglichkeiten für Agrarprodukte verbesserten, zeigten die Grundherren wieder Interesse, ihre verödeten Dörfer zu besiedeln. Einige Magnatenfamilien nahmen systematische Umsiedlungsaktionen vor. Banus Franz Batthyány etwa verfrachtete zwischen 1530 und 1550 die Untertanen von seinen in Kroatien-Slawonien gelegenen Grundherrschaften nach Rechnitz-Schlaining und Güssing im heutigen Burgenland. Nachdem die kroatische Bevölkerung über 130 Jahre hindurch (1463-1593) den osmanischen Angriffen ausgesetzt war, hatte es in den umkämpften Gebieten Massenwanderungen Richtung Norden, ins Innere der Monarchie gegeben.

Die ansiedelnden Grundherren erwirkten für die kroatischen Kolonisten Zoll- und Mautbefreiungen, sodass diese ihre Habseligkeiten zollfrei mitbringen konnten. Die neuen Siedler wurden zudem auf eine gewisse Zeit von staatlichen Steuern und grundherrschaftlichen Diensten befreit, um so besser wirtschaftlich Fuß fassen zu können. Die Grundherren stellten auch Bauholz zur Verfügung und streckten Saatgut vor. In den wiederbesiedelten Dörfern stellten Kroaten die Mehrheit zur ansässigen Bevölkerung.

In Niederösterreich warnten die Stände vor solchen ‚Übervölkerungen‘. Kaiser Maximilian II. lehnte die nach seiner Ansicht unkluge Haltung vorerst ab, da er befürchtete, das Misstrauen der bereits ansässigen kroatischen Bevölkerung zu schüren. Er betonte die Loyalität der Kroaten zur Monarchie, da „ehe sy sich … dem erbfeindt (Osmanen) zu Contributari ergeben, eher ir vatterlandt und vermugen (Vermögen) verlassen…“ Doch wollte er ebenso wenig die Gunst der Stände verlieren und ließ Geheimverfügungen an die Grundherren versenden, in denen er befahl, im Falle eines Besitzwechsels jede kroatische Hofstelle mit einem Deutschen zu besetzen. 1573 wurde schließlich ein Generalmandat erlassen, das die weitere Ansiedlung von Kroaten in Niederösterreich verbot.

 

Anita Winkler