1500–1558

Karl V.: Resignation und Abdankung

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1556, im Alter von 55 Jahren entschied sich Karl, der damals mächtigste Mann der Erde, Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und Herrscher über das spanische Weltreich, Krone und Ämter niederzulegen.

…Ich habe die Kaiserkrone gesucht, nicht um über mehr Reiche zu gebieten, sondern um für das Wohl des Landes und andere Reiche zu sorgen, der gesamten Christenheit Frieden und Eintracht zu erhalten…Ich habe darum viele beschwerliche Reisen machen, viele Kriege führen müssen…aber niemals mutwillig, sondern stets sehr gegen meinen Willen. …Große Hoffnung hatte ich – nur wenige haben sich erfüllt und nur wenige blieben mir, und um den Preis welcher Mühen! Das hat mich schließlich müde und krank gemacht. Glaub nicht, dass  ich mich irgend Mühen und Gefahren entziehen will, meine Kräfte reichen nicht mehr hin. Vertraut meinen Sohn, seid einig, übt stets Gerechtigkeit und lasst den Unglauben nicht in eure Reihen…

Karl V. über seine Auffassung des Kaiseramtes

Als Herrscher kämpfte Karl zeitlebens mit dem Widerspruch zwischen dem Anspruch auf universale Herrschaft und den Schwierigkeiten, diese Herrschaft in den verschiedenartigen Teilen seines Reiches tatsächlich durchzusetzen. Karl war ständig auf Reisen, um das Fehlen eines leistungsstarken modernen Verwaltungsapparates zu kompensieren. Er scheiterte nicht zuletzt an den damaligen Möglichkeiten der Nachrichtenübermittlung. Seine sich über die Kontinente erstreckende Monarchie war unregierbar geworden.

Karl kämpfte auch mit den Widerständen der regionalen Kräfte sowohl in Spanien, in den Niederlanden als auch im Reich gegen eine universale, supranationale Monarchie unter habsburgischen Vorzeichen. Der Habsburger musste schlussendlich die Undurchführbarkeit seines Vorhabens akzeptieren und resignierte. Das Kaisertum ging an seinen Bruder Ferdinand und die spanische Krone an seinen Sohn Philipp. Selbst innerhalb der Dynastie konnte eine Aufteilung der Herrschaft in mehrere Linien nicht verhindert werden.

Das Hieronymiten-Kloster von Yuste im Hochland der Extremadura südwestlich von Madrid war das letzte Refugium des Kaisers. Die Hieronymiten waren ein Einsiedlerorden, der in strenger Askese und Weltabgeschiedenheit den Weg zu Gott finden wollte. Hier verbrachte Karl, geplagt von Krankheiten, seine letzten beiden Lebensjahre. Von Schmerzen geplagt, musste er in Sänften und Tragsesseln transportiert werden. Karl V. trat nicht in den Orden ein, lebte aber mit den Mönchen. Für ihn wurde ein kleiner, acht Räume umfassender Palast im italienischen Stil direkt an das Kloster angrenzend erbaut. Karls Schlafgemach verfügte über eine Verbindungstür zum Altarraum des Klosters. Der aufgrund seiner Gichterkrankung fast bewegungsunfähige Karl konnte so die Messe von seinem Bett aus verfolgen.

Die Gicht war die Folge der Ernährungsgewohnheiten Karls, der Tafelfreuden über alles liebte. Der Habsburger war ein Feinschmecker, der Unsummen für die Anschaffung von Spezialitäten für seine Tafel ausgab. Er aß übermäßig und hastig, was gesundheitliche Probleme zur Folge hatte. Außerdem litt Karl an einer Malariainfektion. Körperlich und seelisch erschöpft starb der Habsburger am 21. September 1558. 

Der Leichnam des Kaisers wurde zunächst unter dem Altar des Klosters beigesetzt. Später wurde der Sarg von seinem Sohn Philipp II. in das Pantheon der spanischen Könige im Klosterpalast von El Escorial überführt. 1958, anlässlich des 400. Todestages von Karl, wurde das zwischenzeitlich aufgelassene Kloster in Yuste wieder dem Orden übergeben, wo die Hieronymiten das Andenken an den Kaiser, der an seinem Traum der Universalmonarchie scheiterte, hochhalten.

Martin Mutschlechner