1649–1791

Kaiserliche Urlaubsfreuden – Sommersitze rund um Wien

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Auch ein Kaiser braucht hin und wieder Urlaub. Reisen war jedoch aufgrund der Verkehrsverhältnisse vor der Erfindung der Eisenbahn genauso mühsam wie langsam. Zum Zwecke der Erholung bildete sich daher ein Netzwerk von Sommersitzen rund um Wien: Sobald der Kaiser sein Nachtlager außerhalb der Hofburg aufschlug, galt dies als Landaufenthalt, und die Regeln der Etikette waren weniger streng.

Schönbrunn ist sicherlich der heute berühmteste kaiserliche ‚Urlaubsort‘ in der unmittelbaren Umgebung Wiens. Daneben existierte jedoch noch eine Reihe weiterer ehemaliger Sommersitze, die heute oft nur mehr in Resten bestehen.

Am ehesten lassen sich die kaiserlichen Sommerfreuden noch in der Alten Favorita im Augarten nachvollziehen. Der Reiz der Anlage bestand ursprünglich im Kontrast der streng geometrisch angelegten Alleen mit der umgebenden Wildnis der Donauauen. 1683 im Zuge der Wiener Türkenbelagerung zerstört, wurden die Gebäude nur mehr in verkleinerter Form wiederhergestellt. Der Garten ist jedoch noch heute in seinen barocken Formen erhalten und als großstädtischer Park öffentlich zugänglich.

Ein anderer kaiserlicher Lieblingsort war die Neue Favorita auf der Wieden, an der nach ihr benannten Favoritenstrasse gelegen und somit auch Namengeberin des Wiener Arbeiterbezirkes Favoriten. Von den Zeitgenossen wurden nicht das Schloss, dessen lang gestreckte und gleichförmige Fassade noch heute existiert, sondern die Gartenanlagen als Sehenswürdigkeit bezeichnet. Die in kleinteilige Bereiche unterteilten Gärten beeindruckten durch Vielfalt und Abwechslungsreichtum: Wasserspiele und Grotten boten Kühlung, in den Bosketten und Heckengärten konnte man im Schatten spazieren, und eine Schießstätte und ein Turnierplatz dienten der sportlichen Ertüchtigung. Der heutige Zustand der Gärten lässt jedoch kaum vermuten, dass die Favorita, die über ein Gartentheater sowie über ein Theatergebäude („Comoedi-Saal“) verfügte, in der Barockzeit Schauplatz prächtiger höfischer Feste und Opernaufführungen war.

1740 starb in diesem Schloss Kaiser Karl VI., der letzte barocke Monarch aus dem Haus Habsburg, was nicht nur für die Favorita einen Zeitenwechsel bedeutete. Maria Theresia übergab die Anlage den  Jesuiten zur Errichtung der Theresianischen Ritterakademie, einer Bildungsstätte für adelige Sprösslinge, aus der das heutige Gymnasium „Theresianum“ hervorgegangen ist.

Ebenfalls auf kaiserliche Präsenz lässt bereits der Name eines weiteren ehemaligen Habsburgerschlosses in Wien schließen: Das Jagdschloss Kaiserebersdorf stellt einen weitläufigen Komplex dar, der nicht nur den kaiserlichen Jagdfreuden in den Donauauen diente, sondern auch als letzte Übernachtungsstation der kaiserlichen Bräute vor dem öffentlichen Einzug nach Wien.

Maria Theresia widmete den von ihren Vorgängern sehr geschätzten Jagdsitz verschiedenen Einrichtungen der staatlichen Wohlfahrt: Zunächst als Waisen- und Armenhaus in Verwendung, dient das Schloss heute als Strafvollzugsanstalt.

Martin Mutschlechner