1649–1791

Kaiserliche Auszeiten: Habsburgische Jagdleidenschaft

Druckversion

Die Jagd war nicht nur ein exklusives Standesprivileg des Adels und landesfürstliches Vorrecht, sondern auch eine persönliche Vorliebe vieler Habsburger. Die Jagd war ein adeliger Sport zur körperlichen Ertüchtigung und ein Training im Umgang mit Waffen. Außerdem bot sie Gelegenheit zu einer kurzfristigen Flucht aus der bleiernen Schwere der Repräsentationspflichten.

Aus einer Fastenpredigt des kaiserlichen Hofpredigers Abraham a Santa Clara aus dem Jahre 1689: Aber durch das Jagen und Hetzen werden zuweilen die Felder dergestaltet zertreten und verwüstet, daß der arme Bauersmann auf seinem Grund nicht Getreid, sondern lauter Leid zu schneiden findet. Mit was Fug solches könne geschehen, laß ich es dem Gewissen großer Herren über.

zitiert nach Gergely, Vom Saugarten des Kaisers zum Tiergarten der Wiener (Wien u.a. 1993), S. 18.

Die habsburgische Jagdlust hinterließ Spuren in und um Wien. Dass Reste der Aulandschaft entlang der Donau sowie das Naturreservat des Wienerwaldes bis zum heutigen Tag in unmittelbarer Nähe zur Großstadt Wien erhalten blieben, ist der Jagdleidenschaft der Habsburger zu verdanken. Auch der Prater hat seinen Ursprung als Jagdpark: Die erste regulierende Maßnahme in der Wildnis des Praters nahm Ferdinand  I. vor, als er eine Schneise durch die Aulandschaft legen und mit Kastanienbäumen besetzen ließ – die Prater Hauptallee, die berühmteste Allee Wiens, war geboren. Der enorme Wildreichtum in der Wiener Umgebung war angeblich sogar der Grund, warum die Dynastie letztendlich Wien den Vorzug vor Prag gab …

Unter Kaiser Karl VI. erlebte die Jagdkultur am Wiener Hof ihren Höhepunkt. Mitunter konnte die Jagdleidenschaft des Kaisers aber nicht nur für das Wild gefährlich werden: Auf Grund seiner Sehschwäche erschoss der Kaiser irrtümlich eine hohen Hofwürdenträger, den Fürsten Schwarzenberg.

Die Terminplanung des Hofes musste sich nach dem kaiserlichen Jagdkalender richten: Im Winter widmete sich Karl der Sauhatz im Wienerwald, im zeitigen Frühjahr ging es zur Jagd auf Kaninchen oder zur Fuchshatz in den Prater. Später zog der Hof  nach Laxenburg zur Reiherbeize. Im Hochsommer fanden große Hirschjagden in den Donauauen statt, im September wurde zur Fasan- und Hasenjagd in den weiten Ebenen um Wien geblasen.

Die Auswirkungen der exzessiven adeligen Jagdlust musste die bäuerliche Bevölkerung in Form von Schäden an den landwirtschaftlichen Kulturen ertragen. Weiters waren die Untertanen bei den aufwändigen Jagdpartien des Adels zu unentgeltlichen Hilfsdiensten, zur verhassten Jagdrobot, verpflichtet. Die Folge waren Wilderei und Aufstände aus Hunger, aber auch aus Hass auf die adeligen Herren, die das Recht zu jagen allein für sich beanspruchten, während die Bevölkerung seit jeher der Meinung war, der Wald gehöre allen.

Im Rahmen der Reformen unter Maria Theresia und Joseph II. wurden daher auch Beschränkungen der Jagdrechte des Adels zum Schutz der Bauern eingeführt. Kaiser Joseph ging mit gutem Beispiel voran und ließ den Lainzer Tiergarten mit einer Mauer einfrieden um Wildschäden zu verringern.

Im 19. Jahrhundert erfuhr die Jagd durch den neuen Zugang zur Natur neue Impulse, „Naturempfinden“ stand nun im Vordergrund. Außerdem rückten dank der Eisenbahn nun die Alpen in greifbare Nähe. So bevorzugte Franz Joseph, ebenfalls ein passionierter Jäger aus dem Hause Habsburg, das Salzkammergut als Jagdrevier.

Martin Mutschlechner