Herzog Ernst und Cimburgis von Masowien

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Ernst ist in zweifacher Hinsicht bedeutend für die Geschichte des Hauses: 1414 bezeichnete sich Ernst in einer Urkunde erstmals als Erzherzog: Er ist somit der erste Träger dieses von seinem Onkel Rudolf IV. usurpierten Titels. Von Ernst und seiner polnischen Gattin Cimburgis stammen die Habsburger der Neuzeit ab.

Er verwendete den neuen Titel, um seine gestärkte Stellung nach dem Tod seiner beiden älteren Brüder und schärfsten Konkurrenten, Wilhelm und Leopold, zu demonstrieren. Während er also der erste Habsburger mit diesem für die Dynastie sozusagen „reservierten“ Titel war, wurde Ernst als letzter Herrscher in einer archaischen Zeremonie am Fürstenstein auf dem Kärntner Zollfeld in „windischer Sprache“ (also in einem Vorläufer des modernen Slowenischen) als Landesfürst installiert.

Ernst gelang eine Konsolidierung der Verhältnisse: seine Regentschaft in der Steiermark, in Kärnten und Krain entwickelte sich erfreulich. Er zog Wiener Neustadt, das damals zur Steiermark gezählt wurde, als Residenz vor und baute die dortige Stadtburg großzügig im Stil der Spätgotik aus.

Seine erste Ehe mit Margarete von Hinterpommern-Stolp, die 1392 geschlossen und 1410 durch den Tod der Gattin beendet wurde, blieb kinderlos.

Mehr Spuren hinterließ seine zweite Gattin Cimburgis von Masowien (geb. zwischen 1394 und 1397). Sie entstammte väterlicherseits der masowischen Nebenlinie des polnischen Königshauses der Piasten. Ihre Mutter war eine Schwester Jagiellos, des Großfürsten von Litauen, der als König Wladislaw I. die polnische Krone erlangen konnte und das polnisch-litauische Großreich begründete.

Die Ehe wurde 1412 in Krakau geschlossen, jedoch lehnte der Rest der Familie die Verbindung ab: Die schmachvollen Umstände, unter denen Ernsts der ältester Bruder Wilhelm 1386 seine Braut Hedwig auf Druck des polnischen Adels an Cimburgis’ Onkel Jagiello verloren hatte, waren noch in lebendiger Erinnerung.  

Die polnische Königstochter war eine schöne und stattliche Frau von großer Körperkraft: Es hieß, sie könne mit bloßen Händen ein Hufeisen zerbrechen. Auf diese Habsburgergattin soll nach Meinung einiger Historiker die sogenannte „Habsburger-Lippe“ zurückgehen, eine Anomalie des Unterkiefers, die sich in einem kräftigen Vorbiss (Progenie), einer starken Ausbildung des Kinns und einer fleischigen Unterlippe bemerkbar macht. Dies ist jedoch umstritten, da dieses Merkmal bereits in den Generationen davor aufgetreten sein soll.

Die robuste Dame brachte neun Kinder zur Welt:

Der erstgeborene Friedrich (1415–1493; als Herzog von Österreich Friedrich V.) führte nach dem Aussterben der Albertinischen Linie die Hauptlinie weiter. Es gelang ihm mehr dank seiner Beharrlichkeit denn durch große Politik, die Bedeutung der Habsburger zu stärken und die Krone des Heiligen Römischen Reiches für die Dynastie zurückzugewinnen: Als Kaiser wird der Habsburger als Friedrich III. geführt.

Die Tochter Margarete (geb. 1416 oder 1417–1486) wurde 1431 mit Kurfürst Friedrich II. vermählt. An der Seite ihres Gatten entwickelte sie sich dank ihres politischen Instinkts zu einer einflussreichen Gestalt und war eine verlässliche Stütze ihres kaiserlichen Bruders im Reich.

Der zweite Sohn Albrecht VI. (1418–1463) verstrickte sich in Erbschaftsstreitigkeiten mit seinem älteren Bruder, die dieser erst durch den plötzlichen Tod Albrechts für sich entscheiden konnte.

Katharina (1420–1493) wurde mit Markgrafen Karl von Baden vermählt und so zur Stammmutter des späteren badischen Fürstenhauses.

Auf drei bald nach der Geburt verstorbene Kinder folgten noch Ernst (1420–1432) und Anna (1422–1429), die beide jedoch das Erwachsenenalter nicht erreichen sollten.

Als Erzherzog Ernst „der Eiserne“ 1424 starb, hinterließ er minderjährige Kinder, für die sein jüngster Bruder Friedrich IV. von Tirol die Vormundschaft übernahm. Begraben wurde Ernst im Zisterzienserkloster Rein in der Steiermark. Seine Gattin Cimburgis starb 1429 während einer Pilgerfahrt nach Mariazell und ist in der Stiftskirche des Zisterzienserklosters Lilienfeld begraben.

Martin Mutschlechner