Herzog Ernst im Streit mit seinen Brüdern

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Die wechselnden Allianzen innerhalb des Hauses Habsburg aufgrund der Rivalitäten nach den spätmittelalterlichen Linienteilungen sind nur schwer zu durchschauen. Die Ansprüche von Herzog Ernst waren dabei anfangs nur ein weiteres Hindernis für eine gütliche Einigung. Letztlich war er aber erfolgreich – indem er seine Konkurrenten überlebte.

Ernst war der dritte Sohn von Herzog Leopold III., dem Begründer der Leopoldinischen Linie der Habsburger, und Viridis Visconti. Nach dem frühen Tod des Vaters – Ernst war zu diesem Zeitpunkt zwölf Jahre alt – stand der Jugendliche zunächst unter der Gewalt seines ältesten Bruders Wilhelm. Nach dessen Tod 1406 bekam Ernst die Regentschaft über die Länder Steiermark, Kärnten und Krain zugesprochen, die er sich jedoch mit seinem älteren Bruder Leopold IV. teilen musste.

Laut Vertrag sollte Ernst auch an der vormundschaftlichen Regierung Leopolds über Österreich teilhaben, die dieser im Namen des minderjährigen Albrecht V., des Erben der dort regierenden Albertinischen Linie der Habsburger, ausübte. Die Abmachung sah auch vor, dass bei Erlangung der Volljährigkeit Albrechts, die für 1411 festgesetzt worden war, die Territorien der Leopoldinischen Linie unter den Brüdern geteilt werden sollten. Einer der Brüder sollte die Steiermark, der andere Kärnten und Krain erhalten.

Dies sorgte für ständiges Konfliktpotenzial, denn die Vormundschaft über das reiche Herzogtum Österreich spülte viel Geld in die Kassen Leopolds, und Ernst wollte seinen Anteil. Das Sprichwort: „Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte“ traf hier voll zu: Durch Uneinigkeit der Brüder profitierten die Ständegemeinden und lokale Konkurrenten, wie die aus Krain stammenden Grafen von Cilli, die aus den Reihen des Landadels zu Reichsfürsten aufstiegen und zu gefährlichen Gegenspielern der Habsburger um Herrschaftsrechte in Krain und der Steiermark wurden: Teile der Herzogtümer drohten eigenständige souveräne Reichsterritorien zu werden.

Die beiden Brüder waren sich nur darin einig, dass die Volljährigkeitserklärung Albrechts so lang wie möglich herausgezögert werden sollte. Dieses Vorhaben wurde durch die Entführung des Mündels durch niederösterreichische Adelige und die im Juni 1411 erfolgte Erklärung Albrechts, nun die Macht im Lande selbst in die Hand zu nehmen, vereitelt.

Herzog Ernst hatte dadurch zwar Einfluss auf Österreich verloren, profitierte aber anderwärtig: Sein verhasster Bruder Leopold starb aus Erbitterung über die Aktionen rund um Albrecht an einem Schlaganfall, und so war Ernst zumindest in der Steiermark alleiniger Landesfürst. 

Martin Mutschlechner