Habsburg on the Rocks – Kaiserliche Eisbären am Nordpol

Druckversion

"Es war sehr schön, es hat sehr viel geschneit". So könnte Kaiser Franz Josephs Kommentar zu der arktischen Neuentdeckung gelautet haben. Etwa 16.000 km² Inselfläche am Nordpol, fast vollständig mit Eis bedeckt, zählt zu den kolonialen Errungenschaften der Habsburgermonarchie.

 

Im 19. Jahrhundert, das von dem Historiker Eric Hobsbawm als imperiales Zeitalter bezeichnet wurde, erreichte die Kolonialisierung ihren Höhepunkt. Europäische Großmächte wie Frankreich, England, die Niederlande und Deutschland kämpften um die wirtschaftliche Vormachtstellung; Territorien in Asien und Afrika wurden von den Großmächten okkupiert und als Kolonien in die Imperien eingegliedert. Eine Kolonialisierung im großen Stil gab es in der Habsburgermonarchie kaum. Habsburgische Entdeckungsfahrten waren meist an mehrere Interessen geknüpft. So blieben beispielsweise die Forschungen des „Kronprinzenwerkes“ eine Expedition in das ‚Innere‘ des Reiches, um die politische und wirtschaftliche Lage der Völker zu dokumentieren. Eine der wenigen habsburgischen Expansionserfolge außerhalb der Monarchie war die Inbesitznahme einer kleinen Insel im Nordpol. 1873 war das österreichisch-ungarische Expeditionsschiff „Admiral Tegetthoff“ auf die Insel gestoßen und hatte sie zu Ehren des Kaisers „Kaiser-Franz-Josephs-Land“ benannt.

Eine weitere Entdeckung in der Arktis bekam den Namen „Kronprinz-Rudolf-Land“, welches ebenfalls unter der österreichisch-ungarischen Flagge in Besitz genommen wurde, was übrigens seine Einwohner gänzlich unberührt ließ. Denn zu den kaiserlichen Subjekten zählten, abgesehen von einigen zeitweiligen Forschern, Walrosse, Seehunde, Polarfüchse, Eisbären, Meeresvögel und einige Insektenarten. Allgemein bekannt wurde dieses Forschungsunternehmen durch das Buch „Die österreichisch-ungarische Nordpolexpedition in den Jahren 1872 bis 1874“, verfasst von Julius von Payer, dem Leiter des Unternehmens. Diese Expedition lieferte einen wesentlichen Beitrag zur gerade international einsetzenden Polarforschung. In Österreich angekommen wurde Payer zwar mit etlichen Orden und Ehrenzeichen ausgezeichnet, für die Entdeckung des Franz-Josephs-Landes erhielt er allerdings nur den minimalen Betrag von 44 Gulden. Damit konnte man sich gerade mal drei Sonntagshosen leisten.

Seit 1928 gehört das Franz-Josephs-Land zu Russland und ist heute noch ein wichtiger arktischer Stützpunkt.

 

Anita Winkler