Habsburg im Exil II: 1922-1945

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Exkaiser Karl hinterließ nach seinem frühen Tod sieben Kinder. Seine Gattin Zita war gerade mit dem achten Kind schwanger. Im Mai 1922 wurde der jungen Witwe die Rückkehr nach Europa gestattet.

Auf Einladung des spanischen Königshauses ging Zita mit den Kindern ins Baskenland, wo sie im nordspanischen Ort Lequeitio an der spanischen Küste der Bucht von Biscaya die herrschaftliche Villa Uribarren von großzügigen Unterstützern geschenkt bekommen hatte.

In den nächsten Jahren war die Exkaiserin vor allem mit der standesgemäßen Erziehung der ältesten Kinder, allen voran Otto, beschäftigt. Die Kinder sollten nach habsburgischen Traditionen streng katholisch und im Bewusstsein ihrer dynastischen Herkunft erzogen werden.

Daneben beschäftigte sich Zita auch mit prohabsburgischer Agitation. Politisch sehr begabt, versuchte sie die monarchistischen Bewegungen in den Nachfolgestaaten (v.a. in Österreich und Ungarn) zu beeinflussen, dass ihr ältester Sohn Otto als rechtmäßiger Thronprätendent anerkannt würde.

Im Oktober 1929 zog die Familie nach Belgien, um Otto ein Studium an der katholischen Universität von Löwen zu ermöglichen. Als Wohnsitz wurde Schloss Ham in Steenokkerzeel nordöstlich von Brüssel gewählt. Die Familie war weiterhin das Zentrum eines kleinen Hofstaates von adeligen Gefolgsleuten, darunter Gräfin Theresa Kerssenbrock, die ehemalige Erzieherin der Kinder, Graf Heinrich Degenfeld, Baron und Baronin von Gudenus, Gräfin Mensdorff sowie Pater Weber aus dem ungarischen Benediktinerkloster Pannonhalma und Zitas Sekretärin Anni Posawad. Weiters verfügte man über eine Gouvernante, einen Chauffeur und weitere Bedienstete.

Zita erhielt in dieser Zeit oft Besuch von Mitgliedern der europäischen Hocharistokratie; so kamen zum Beispiel das belgische Königspaar und der luxemburgische Großherzog zu Besuch – Zita war also gut vernetzt. Geldmittel flossen aus der ungarischen Krondomäne Ráckeve südlich von Budapest, deren Erträge das Horthy-Regime der Exkönigin nun zur Verfügung stellte.

Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs gestaltete sich die Anwesenheit der exilierten Habsburger in Westeuropa als zunehmend schwierig. Am 10. Mai 1940 verließ die Familie Belgien, das von der deutschen Armee überrannt wurde. Zita, ihr ältester Sohn Otto und die jüngeren Kinder entgingen damals einer Verhaftung durch die Gestapo nur knapp. Die Flucht führte zunächst nach Frankreich, das jedoch am 10. Juni 1940 kapitulierte. Zita war mit den Kindern gezwungen, weiter über Spanien und Portugal in die USA zu flüchten.

Otto und die älteren Kinder blieben für den Rest des Krieges in den USA, während Zita und die jüngeren Kinder nach Quebec in den französischsprachigen Teil Kanadas gingen, um deren Ausbildung in französischer Sprache abschließen zu können.

Nach 1945 gingen die Kinder verschiedene Wege, bauten sich eigenständige Existenzen auf und lebten in der ganzen Welt verstreut. Zita selbst nahm 1948 ihren Wohnsitz in Tuxedo/New York State, USA. Später ging sie nach Luxemburg, um ihre Mutter zu pflegen. Von 1963 bis zu ihrem Tod 1989 lebte die Exkaiserin im Schweizerischen Zizers in einem katholischen Altenheim.

Martin Mutschlechner