Freies Kunstschaffen im 16. Jahrhundert

Druckversion

Wer Geschmack hatte, ließ bauen, und zwar im Stil der italienischen Renaissance. Ausgeführt wurden die Arbeiten meist von städtischen Künstlern.

Ab dem 16. Jahrhundert begann sich aus Italien kommend die Renaissance als neuer Kunststil in Mitteleuropa durchzusetzen. Durch zahlreiche Kunstaufträge versuchten Feudalherren ihren Machtgewinn zum Ausdruck zu bringen und dabei mit den Monarchen in Konkurrenz zu treten. In den mitteleuropäischen Zentren gab nicht nur der Hof die Aufträge, auch das Bürgertum investierte in Kunst.

Die Künste spielten eine Schlüsselrolle bei der gesellschaftlichen Zurschaustellung. Der italienische Renaissancestil wurde als besonders vornehm erachtet und sollte die kulturelle Überlegenheit der Auftraggeber signalisieren. Kaufleute und Bankiers förderten ebenfalls eine Übernahme der italienischen Kunst. Deutsche Händler wie die Familien Fugger und Welser unterstützten Literatur und Architektur und ließen sich die Innenräume ihrer Häuser prachtvoll ausgestalten. Aufgrund ihrer Handelsbeziehungen hatten sie direkten Zugang zu italienischen Kunstwerken und gaben Textil- und Goldschmiedearbeiten in Italien in Auftrag.

In Österreich und Deutschland wurden die Künstler den Handwerkern zugezählt. Sie waren in Zünften organisiert. Diese gaben die Qualitätsmaßstäbe vor, legten die Ausbildungskriterien sowie den Erwerb des Meisterrechts fest und kontrollierten den Markt. Als Handwerker hatten die Künstler auch Steuer- und Bürgerpflichten zu erfüllen. Die Zünfte dienten vor allem dem Schutz vor auswärtiger Konkurrenz – daher gab es immer wieder Konflikte zwischen Zunftmitgliedern und den von solchen Restriktionen befreiten, häufig aus dem Ausland stammenden Hofkünstlern.

Im Gegensatz zur Hofkunst unterlag die städtische Kunst den Marktbedingungen. Mancher Meister gab seine künstlerischen Arbeiten auch an Subunternehmer weiter – Spezialisten, welche die Arbeiten termingerecht fertigstellten. Doch auch Bildhauer, Maler und Grafiker drängten bei schlechter Auftragslage auf die städtischen Märkte – Albrecht Dürer ließ beispielsweise seine Drucke durch seine Frau auf dem Markt anbieten. Künstler waren nicht nur für Hof und städtisches Patriziat, sondern auch für den Klerus tätig.

Zwischen den unterschiedlichen Stätten der Kunstproduktion herrschte eine enge Verbindung, zum Beispiel zwischen Prag und Augsburg: Rudolfs II. Hofbildhauer Adriaen de Vries und der Maler Joseph Heintz arbeiteten beide in Augsburg, bevor sie an den Prager Hof gingen, Heintz blieb weiterhin für die Stadt tätig und entwarf sogar öffentliche Bauten.

Julia Teresa Friehs