Franz II./I. und das System Metternich

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Der "biedere" Kaiser, der angeblich "gute alte" Franz II./I. und sein Polizeistaat: Diese Zeit ist untrennbar mit dem Namen Metternich verbunden.

Die kaiserliche Familie hat sich vor dem Porträt von Kaiser Franz II./I. von Österreich versammelt – damit soll die Familienidylle und Einigkeit der Dynastie unter dem „guten Kaiser“ Franz präsentiert werden. Dass Franz II./I. zu diesem beschönigenden Beinamen kam, scheint heute angesichts der Repressionen während seiner Regierungszeit unverständlich. Der Grund ist wohl, dass die konservativen Maßnahmen seiner Regentschaft eher mit dem Namen Metternich verbunden worden sind und der Kaiser im Gegensatz zu seinem Staatskanzler als biederer Familienmensch dargestellt wurde. Diese Repräsentation des Herrschers spiegelt das Familienideal des bürgerlichen Zeitalters wider, den zum Klischee gewordenen Rückzug ins Private. Metternichs antiliberale und antiintellektuelle Haltung entsprach jedoch der Auffassung des Kaisers: Beide richteten sich gegen jegliche Veränderungen des Herrschaftssystems. Franz II./I. wurde trotzdem von manchen Historiografen durch verklärende Charakterisierungen als der „rechtschaffene und volkstümliche Kaiser“ aus der Verantwortung genommen.

Das Bild von Franz II./I. als leutseligem Herrscher wurde auch durch die Kunst verbreitet: Johann Peter Krafft schuf 1828–1832 im Mittelsaal des Reichskanzleitraktes der Hofburg das Bildnis „Einzug des Kaisers Franz II./I. in Wien nach dem Pariser Frieden am 16. Juni 1814“, das den „guten Kaiser“ umringt von seinem Volk zeigt, nachdem der „Weltfriede“ mit Napoleon geschlossen worden war.

Nach dem Tod des „guten Kaisers“ Franz bestieg sein Sohn Ferdinand I. den Thron, dem jedoch aufgrund körperlicher und geistiger Beschwerden – er litt unter epileptischen Anfällen – mangelnde Eignung als Regent zugesprochen wurde.

Das „System Metternich“, wie diese Zeit aufgrund der dominanten Rolle des Staatskanzlers bezeichnet wird, basierte auf der Unterdrückung demokratischer, liberaler und nationaler Bestrebungen und war gestützt auf Zensur, Polizeistaat und Spitzelwesen. Viele Maßnahmen des Polizei- und Informationsdienstes hatte Franz II./I. schon von seinen Vorgängern übernommen. Das Biedermeier wurde zur Kultur dieser Zeit, häufig wird es romantisierend als Hinwendung zur Beschaulichkeit verklärt. Kritisch wird diese Zeit des Vormärz zwischen dem Wiener Kongress 1815 und der Märzrevolution von 1848 als Scheinidylle charakterisiert.

Stephan Gruber