Erzherzogin Sophie – Der "einzige Mann" am Hof?

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Es gab durchaus auch Habsburgerinnen, die sich in das politische Geschäft einmischten. Eine solche Frau war Erzherzogin Sophie, die Mutter des Kaisers Franz Joseph.

Die Allegorie bringt es auf den Punkt: Erzherzogin Sophie führt ihren Sohn Franz Joseph die letzten Schritte zum Kaiserthron, auf dem die Insignien schon für ihn bereit liegen – die stolze Mutter hat nun endlich erreicht, wofür sie ihren Sprössling seit frühester Kindheit vorbereitet hat.

Sophie, die Tochter des Königs von Bayern, wurde 1824 aus politischen Überlegungen mit Erzherzog Franz Karl, dem zweiten Sohn des Kaisers Franz II./I., verheiratet. Sie erkannte bald die persönlichen Schwächen der sie umgebenden Männer: Kaiser Franz wurde zwar als „guter Kaiser“ präsentiert, war aber nicht mehr der Jüngste. Sein Sohn Ferdinand I. erweckte schon vor seinem Regierungsantritt einen wenig fähigen Eindruck. Und Sophies Ehemann Franz Karl, immerhin an zweiter Stelle der Thronfolge stehend, war politisch wenig durchschlagskräftig und vor allem desinteressiert. In diesem Machtvakuum der Dynastie, das auch Fürst Metternich lange auszunützen verstand, wurde Sophie zu einer starken Persönlichkeit und einem nicht zu unterschätzenden politischen Faktor – sie erlangte im Revolutionsjahr 1848 den Ruf, „der einzige Mann“ am Wiener Hof zu sein. Dass gleich zwei ihrer Söhne zu „Kaisern“ wurden – nämlich Franz Joseph von Österreich und Ferdinand Maximilian von Mexiko –, ist demnach kein Zufall und zu einem Gutteil Sophies politischen Ambitionen zuzuschreiben: Bereits die Erziehung ihrer Söhne war auf solche Karrieren ausgerichtet. Zu familiären Konflikten kam es vor allem mit Franz Josephs Gattin Elisabeth, als sich Sophie in die Erziehung ihrer Enkelkinder Gisela und Rudolf einzumischen versuchte. Diesen Konflikten verdankt sie ihren klischeehaften Nachruf als „böse Schwiegermutter“ der „guten Sisi“.

Als Ferdinand I. unter dem Druck der Revolution von 1848 abdanken musste, drängte Sophie ihren Ehemann Franz Karl, auf den Thron zu verzichten. Sie forcierte, dass ihr Sohn Franz Joseph mit erst 18 Jahren Kaiser wurde. Sophie konnte somit vor allem in den ersten Regierungsjahren ihres Sohnes eine derart bestimmende politische Rolle einnehmen, dass sie sogar als „heimliche Kaiserin“ bezeichnet wurde.

Stephan Gruber