Eine Prinzessin auf dem Fahrrad – Fahrräder im Verkehrsgedränge

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Im Gegensatz zu ihrem kaiserlichen Vater hatte Erzherzogin Gisela keine derartige Abneigung gegen verkehrstechnische Neuheiten.

Das Radfahren erlebte um die Jahrhundertwende einen regelrechten Boom, als die Fahrräder durch Massenproduktion auch für ArbeiterInnen leistbar wurden. RadfahrerInnen hatten nicht nur einen größeren Bewegungskreis als FußgängerInnen; dem Radfahren hafteten auch moderne Images wie Freiheit und Geschwindigkeit an und es wurde zu einem Sinnbild weiblicher Emanzipation. Die moralischen Entrüstungen über Fahrradfahrerinnen blieben freilich nicht aus.

Geregelt wurde das Gedränge aus Hof- und Mietwagen, Tramways und Omnibussen sowie Autos, FahrradfahrerInnen und FußgängerInnen, aus öffentlichen und privaten Verkehrsmitteln mit Hilfe von ersten Fahrordnungen: Angepasste Geschwindigkeit ‚im Schritt‘, Fahren auf der richtigen – nämlich der linken – Straßenseite und Vorsicht beim Überholen. Besonderes hatten die Vorrangregeln zu bieten, denn diese galten nur für bestimmte Verkehrsmittel: Die Hof- und Postkutschen sowie die Wagen von Botschaftern hatten immer Vorrang. Die WienerInnen dürften es mit den Verkehrsregeln allerdings nicht so genau genommen haben, denn jedes Jahr wurden die Gebote und Verbote erneut erlassen, ohne dass sich die Bevölkerung daran gehalten hätte. Schließlich wurden sogar Militärpolizisten eingesetzt und Strafen erteilt, was aber nicht immer ganz gerecht ablief: Die Wiener Bevölkerung beklagte sich nämlich darüber, dass adelige ‚Verkehrsrowdies‘ weitaus milder bestraft wurden.

Christina Linsboth