Ein Roboter in Prag und Lebenselixier für Rudolf II.

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Ewige Jugend, Alchemie, Kabbalistik und Roboter faszinierten selbst Rudolf II.

Wie viele seiner ZeitgenossInnen war Rudolf II. ein Anhänger okkulter und magischer Kräfte. Der Monarch beschäftigte am Prager Hof zahlreiche Wissenschaftler, die sich mit astronomischen und astrologischen Studien befassten. Neben den Astronomen Tycho Brahe und Johannes Kepler befanden sich unter ihnen auch die Okkultisten John Dee und Edward Kelly. Kelly führte alchimistische Experimente durch und verabreichte dem Kaiser ein Lebenselixier, das ihm ewige Jugend schenken sollte. Als Kellys Versuche, Metalle in Gold zu verwandeln, scheiterten, verlor er die Gunst des Monarchen und wurde auf dessen Befehl inhaftiert. Gute Beziehungen pflegte Rudolf II. auch zur jüdischen Bevölkerung – denn immerhin finanzierten die reichsten von ihnen den kaiserlichen Hof. Sein Interesse an jüdischer Kultur und die Vorliebe für Geheimwissenschaften machten ihn zum Anhänger der jüdischen Kabbalistik. Rabbi Löw (Judah Löw ben Bezalel), zu dem Rudolf II. ebenfalls Kontakte pflegte, teilte die Faszination an Mysterien und ‚vormodernen‘ Robotern.

Der Prager Rabbi Löw erlangte durch die angebliche Erschaffung eines künstlichen Menschen Berühmtheit. Der kabbalistischen Denktradition zufolge waren nur ehrwürdige und gelehrte Rabbiner dazu fähig, einen Golem aus Lehm zu schaffen – Rabbi Löw soll einer von ihnen gewesen sein.

Die Faszination, künstliches Leben zu schaffen und als Schöpfer zu agieren, reichte weit in die Geschichte zurück und wurde im Laufe der Jahrhunderte immer wieder aufgegriffen; ungefähr 200 Jahre nach der Erschaffung des mythischen Golems von Prag sollten die ersten mechanischen Androiden und Automaten entstehen.

Anita Winkler