Ein Reiseorchester für Maximilian I.

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Über eine Hofmusikkapelle verfügten die Habsburger, seit sie die Kaiserwürde innehatten. Maximilian I. stellte sie in den Dienst der höfischen Repräsentation.

Mein willig freuntlich dienst zuvor, lieber herr huebmaister. Die Römische königliche majestät, unser allergnedigister herr hat zu Wien ain capellen aufzurichten furgenomen und derselbig capellen herrn Georgen N [Slatkonia] zu singmaister, Bernharten Meder und Oswalten zu bassisten, auch sechs mutanten knaben […] zu discanten auff brabantisch zu discantieren verordnet und mir demnach ernstlich befohlen, den obgemelten singern dits kunfftig jar fur sold und underhaltung, nemlich dem singmaister 24 und dem Bernharten und Oswalten 16, yedem und yeglichem knaben 12, macht zusamen 128 gulden Reinisch, dazu in all und yedem besunder thuech zu rekken [Röcken] und hosen, auch studentenkappen, sovil ir yeglicher zymlicher wayß bedurffen eirdet, durch euch von dem ambt eurer verwesung [Verwaltung] auszurichten und zu geben verordnet. Demnach beger ich als schatzmaister und befelch euch in namen königlichen maiestät, das ir den gemelten singer yr soldt und clydung, wie oben steet, entrichtet und bezalet […]. Und ir thut daran der königlichen maiestät befelch. Geben zu Freyburg im Breysgaw den 20. tag des monats Juli anno 1498.

Der kaiserliche Schatzmeister Balthasar Wolff schrieb am 20. Juli 1498 an Hubmeister Hans Harrasser in Wien.

Die ältesten Belege für eine Hofkapelle stammen aus dem Jahr 1296: Herzog Albrecht, ein Sohn Rudolfs I., bezeichnete sich in einer Urkunde als „fundator capellae castris Vienensis“, Gründer der Kapelle der Burg zu Wien. Diese war eine geistliche Institution, der eine Schola – nur für Knaben – angeschlossen war. Sie beschäftigte einen Organisten und ein Vokalensemble für die musikalische Begleitung von Prozessionen und Gottesdiensten. Für die weltliche Repräsentation waren Trompeter und Pauker zuständig, die aus dem Militär entlehnt waren. Weitere Musiker wurden aus anderen Kapellen übernommen – noch bestand kein fixes Orchester, die Musiker waren locker an den Hof gebunden. Unter Friedrich II. existierte wahrscheinlich eine feste Kapelle mit Sängern und Instrumentalisten deutscher und burgundischer Herkunft.

Maximilian I. hatte nicht nur bei seiner Heirat die berühmte burgundische Musikkapelle übernommen, die vorwiegend auf Instrumentalmusik spezialisiert war, sondern 1490 auch die Hofkapelle von Siegmund dem Münzreichen von Tirol und nach dem Tod Friedrichs III. zusätzlich jene des Kaisers. Damit verfügte er über ein international angesehenes Ensemble. Die Musik nahm am Hof eine neue Stellung ein und wurde immer wichtiger für die höfische Repräsentation. Maximilian I. versuchte 1498, die geistliche Kapelle vom Musikensemble zu trennen und kann als Begründer der Hofmusikkapelle gelten. Diese bestand zu gleichen Teilen aus Sängern, Sängerknaben und Instrumentalisten, sie war also vorwiegend ein Vokalensemble und setzte sich zu Beginn des 15. Jahrhunderts aus insgesamt rund 50 Personen zusammen. Auch wenn die Kapelle ihren Sitz in Wien hatte, mussten die berühmtesten Musiker mit dem kaiserlichen Tross quer durch das Reich ziehen, um bei Feierlichkeiten aufzutreten. Die Musiker sollten in mehreren Raten über das Jahr verteilt bezahlt werden, Reisekosten und Kleidung wurden extra abgegolten. Doch warteten sie oft vergeblich auf ihren Sold, wie die verzweifelten Ansuchen verschuldeter Hofmusiker belegen. Nach dem Tod Maximilians I. wurde die Hofmusikkapelle aufgelöst.

Julia Teresa Friehs