Ein „neuer Selbstständiger“: Albrecht Dürer

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Er arbeitete für Hof und Stadt und kämpfte für die Anerkennung seines Metiers: Albrecht Dürers (1471–1528) Biografie führt exemplarisch ein Künstlerleben um 1500 vor Augen.

Da Dürer sich bewährt habe und ein angesehener Künstler sei, „sein wir dadurch bewegt worden, ihn mit unsern genaden in sonderheit zu fürdern, und begeren demnach an euch mit ernstlichen vleis, ir wollet uns zu eeren gedachten Dürrer bey euch aller gemainer statauflegung, als ungelt, steuern und anders freyen, in ansehung unser gnad und seiner beruemten kunst, die er bey euch billig geniesen soll, und uns sollich unser fürderung in keinen weg abslagen, wie sich dann auch sollichs uns zu gefallen und derselben kunst bey euch zu einer merung zu thun, wol zimbt.

Schreiben Maximilians I. vom 12. Dezember 1512 an den Nürnberger Rat.

Albrecht Dürer stammte aus Nürnberg, wo er in der Werkstatt seines Vaters das Handwerk des Goldschmieds erlernte. Anschließend erhielt er eine Ausbildung in Malerei und dem Handwerk des Kupferstichs. Ab 1490 begab sich Dürer auf die damals übliche Wanderschaft durch Deutschland und reiste auch nach Italien, wo er sich mit der venezianischen Malerei beschäftigte. Auf der Hin- und Rückreise malte und zeichnete er als einer der ersten deutschen Künstler Landschaften direkt nach der Natur. Seine Naturstudien wie der „Feldhase“ sind heute weltberühmt.

1497 machte er sich in Nürnberg selbstständig und gründete wenig später seine eigene Werkstatt, in der er Porträts, Selbstporträts, vor allem aber Kupferstiche und Vorlagen für Holzschnitte anfertigte. Dürer erhob Kupferstich und Holzschnitt in den Rang eines eigenständigen Kunstwerks abseits der Buchillustration. Er wusste die Vorteile der Druckgrafik für sich zu nutzen, die ihm eine Popularisierung des eigenen Schaffens bei geringen Produktionskosten erlaubte und dazu eine sichere Einnahmequelle darstellte. Seine Drucke vertrieb er selbsttätig oder über den Buchhandel.

Ab 1512 arbeitete Dürer mehrfach im Auftrag Maximilians I., z.B. fertigte er Studien zu einem Triumphwagen für dessen Monumentalwerk „Triumphzug“ an. Von Maximilian I. erhielt er einen Freibrief zum Schutz vor Kopien seiner Holzschnitte und Kupferstiche, die so als „echter Dürer“ erkennbar und zum ,Markenartikel‘ wurden. Der Kaiser setzte sich beim Nürnberger Rat auch für eine Steuerbefreiung des von ihm hochgeschätzten Künstlers ein.

Später stellte Maximilian I. für Dürer ein „Leibgeding“ in Höhe von jährlich 100 Gulden aus. Nach dem Tod des Kaisers reiste der Künstler 1520 in die Niederlande, um bei der Krönung Karls V. die Fortsetzung dieser Leibrente zu erbitten. Von Fürsten, Gelehrten und Künstlern in den Niederlanden wurde er gefeiert und erhielt sogar ein Angebot, für ein Jahresgehalt von 300 Gulden samt Haus in Antwerpen zu bleiben.

Dennoch kehrte Dürer nach Nürnberg zurück und beschäftigte sich im Alter überwiegend mit kunsttheoretischen Arbeiten, insbesondere der Proportionslehre. 1525 veröffentlichte er die „Underweysung der Messung“ und postulierte die intellektuelle Natur der Kunst, für die er Regeln aufstellen wollte. Dürer kämpfte für die Anerkennung der bildenden Kunst als Wissenschaft im Sinne der Artes liberales (die sieben „freien Künste“ Rhetorik, Grammatik, Dialektik sowie Geometrie, Arithmetik, Astronomie und Musik) und nach dem Vorbild Italiens, wo die bildende Kunst mehr Anerkennung genoss. 1528 starb er mit nur 56 Jahren an Malaria.

Julia Teresa Friehs