1740–1848

Die 'spinnerte' Johanna gegen die Manufaktur – Von Manufakturen und neuen Maschinen

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'Von Hand gemacht' waren die Produkte, die in Manufakturen und von den ihnen angeschlossenen HeimarbeiterInnen hergestellt wurden. Maschinell wurde es, als ein Engländer die "Spinning Jenny" erfand.

Der größte Teil der Gespunste und fast alle Halbkottone wurden in Österreich aufgebracht und nur zum Bedrucken und Ausfertigen in die Sassiner Fabrik gesendet. Von dort kamen sie dann wieder nach Österreich zum Verkauf.

Johann Matthias von Puchberg, der in der Sassiner Kattunfabrik als Buchhalter tätig war, beschrieb die Arbeitsteilung.

Das Verlagssystem und Manufakturwesen waren in der Habsburgermonarchie vor allem in der Textilherstellung, aber auch in der Metallverarbeitung und Porzellanherstellung gebräuchlich.

Im ‘Manufakturzeitalter’ – wie das 18. Jahrhundert bezeichnet wird – waren die Verleger oder Faktoren als Bindeglied zwischen den ländlichen HeimarbeiterInnen und den zentralen Manufakturen tätig. In der Manufaktur selbst fanden nur bestimmte Produktionsschritte wie die Arbeitsvorbereitung und die Endfertigung statt. Sie diente außerdem als Geschäfts- und Verwaltungszentrale. Der Großteil der Arbeiten wurde jedoch von HeimarbeiterInnen durchgeführt.

Die Inhaber der Manufakturen waren meist bürgerliche Großhändler oder adelige Unternehmer, die oftmals aus dem Ausland kamen und das nötige Kapital mitbrachten. Handwerker, Händler und Adelige stellten rund zwei Drittel der Fabriksunternehmer. Die Anzahl der Kompagnien war zwar vergleichsweise gering, allerdings handelte es sich um sehr große Betriebe.

Die Manufakturen waren arbeitsteilig organisiert und teilweise mechanisiert. Das bedeutete, dass ein Arbeiter/eine Arbeiterin nur für einen bestimmten Arbeitsschritt verantwortlich war und nicht das ganze Produkt herstellte. Die ZeitgenossInnen bezeichneten Manufakturen auch als “Fabriken”. Allerdings waren sie gegenüber den späteren industriellen Fabriken noch deutlich weniger mechanisiert und nicht motorisiert.

An der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert revolutionierten Spinnmaschinen die massenhafte Herstellung von Textilien. Die Mitte des Jahrhunderts in England erfundene “Spinning Jenny” fungierte als Vorbild der Maschinisierung. Handspinnen in Manufaktur bzw. Heimarbeit wurde damit obsolet. In Niederösterreich sank die Zahl der HandspinnerInnen von 100.000 am Ende des 18. Jahrhunderts auf 5.000 Personen 1813. Diese verlegten ihren Arbeitsbereich und spulten, anstatt zu spinnen.

Christina Linsboth