Die Lieblingstochter und der Kunstmäzen

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Die meisten Habsburgerinnen wurden unfreiwillig verheiratet, wenige hatten Glück und konnten bei der Wahl ihres Bräutigams mitreden. Eine 'Glückliche' war Marie Christine.

Nicht nur Maria Theresia war politisch höchst aktiv, auch ihre Töchter wurden mit politischen Aufgaben betraut. Wenn auch zumeist als Einsatz auf dem dynastischen Heiratsmarkt, gemäß dem Motto „Tu felix Austria nube“ („Du, glückliches Österreich, heirate“). Die meisten Töchter wurden ohne ihre Einwilligung verheiratet, eine hatte Glück und konnte sich ihren Gatten selbst aussuchen: Maria Theresias Lieblingstochter Marie Christine.

Von ihrer Mutter „Mimi“ genannt, wurde sie schon bei ihrer Erziehung bevorzugt behandelt. 1766 heiratete die 24-jährige Erzherzogin in Pressburg Herzog Albert-Kasimir von Sachsen-Teschen. Dieser war zwar nicht außergewöhnlich reich und hatte auch keine Aussichten auf politische Macht, dafür war er – für die Gatten der Habsburgerinnen keine Selbstverständlichkeit – gebildet. Er zeigte Sympathien für die Ideen der Aufklärung und der Freimaurer. Die Ehe dürfte glücklich verlaufen sein, blieb aber nach dem Tod einer neugeborenen Tochter kinderlos. Es gibt jedoch Gerüchte über eine lesbische Beziehung Marie Christines mit ihrer Schwägerin Isabella von Parma.

Als Versorgungsposten machte Maria Theresia Albert zum ungarischen Statthalter mit Residenz in Pressburg. Nach Maria Theresias Tod entsandte Kaiser Joseph II. Albert als Statthalter in die Niederlande. Dort hielt sich das Paar bevorzugt im Sommerschloss Laeken bei Brüssel auf. Politisch hatten Albert und Marie Christine mit einer Reihe von Widerständen der Bevölkerung gegen Josephs Reformen zu kämpfen: Der Aufstand gegen die habsburgische Herrschaft breitete sich ab Sommer 1789 aus, die habsburgische Stellung war in Auflösung begriffen. Nach Josephs Tod war sein Bruder und Nachfolger Leopold II. um die Wiederherstellung der habsburgischen Macht bemüht. Das gelang zwar 1790, hielt aber nicht lange: Die französischen Revolutionsheere befanden sich auf einem raschen Vormarsch. Nach militärischen Niederlagen mussten Marie Christine und Albert schließlich 1792 vor den französischen Truppen flüchten. Das Gebiet wurde von den Habsburgern auf dem Wiener Kongress auch nicht wieder beansprucht.

Marie Christine starb 1798 in Wien. Albert ließ seiner „uxori optimae“ – „der besten Gattin“ – vom Bildhauer Antonio Canova in der Wiener Augustinerkirche ein Grabmal errichten. Außerdem hinterließ Albert, der ein begeisterter Kunstsammler war, eine enorme Bereicherung für die Stadt Wien: die Grafiksammlungen der nach ihm benannten Albertina.

Stephan Gruber