Die Kunst und der Dreißigjährige Krieg

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Für einen Großteil Mitteleuropas brachte der Dreißigjährige Krieg eine Katastrophe, die auch den Künsten einen Niedergang bescherte. Doch die deutsche Literatur boomte.

Die Königin Germania sahe ihre mit herrlichen Gemälden gezierte Paläste und Kirchen hin und wieder in der Lohe auffliegen, und ihre Augen wurden von Rauch und Weinen dermaßen verdunkelt, daß ihr keine Begierde oder Kraft übrig bleiben konnte, nach dieser Kunst zu sehen, von welcher nun schiene, daß sie in eine lange und ewige Nacht wollte schlaffen gehen. Also geriethe solche in Vergessenheit, und diejenige, so hiervon Beruff macheten, in Armut und Verachtung: daher sie das Pollet fallen liesen, und anstatt des Pinsels den Spiss oder Bettelstab ergreiffen musten, auch vornehme Personen sich schämeten, ihre Kinder zu so verachteten Leuten in die Lehre zu schicken.

Der Maler und Kunsthistoriograf Joachim von Sandrart floh mehrmals vor dem Krieg und verlor sein Vermögen. In der Schrift „Teutsche Academie der Edlen Bau-, Bild- und Mahlerey-Künste“, 1675–1679, beschrieb er das Schicksal der Künstler in Zeiten des Krieges.

Der Dreißigjährige Krieg brachte für viele Gebiete des Heiligen Römischen Reiches katastrophale Folgen mit sich: eine Wirtschaftskrise, Verwüstungen, Massensterben, Entvölkerung durch die Kriegshandlungen und Epidemien. Bedeutende kulturelle Zentren wie der Hof Rudolfs II. in Prag wurden zerstört, die Sammlungen geplündert und verschleppt. Nach dem Krieg konnten sich viele Fürsten aufgrund ihrer prekären wirtschaftlichen Situation eine Kunstförderung nicht mehr leisten. Einige Künstler mussten sich anderswo Arbeit suchen, protestantische Künstler wurden häufig vertrieben.

Der Maler und Kunsthistoriograf Joachim von Sandrart floh mehrmals vor dem Krieg und verlor sein Vermögen. In der Schrift „Teutsche Academie der Edlen Bau-, Bild- und Mahlerey-Künste“ beschrieb er das Schicksal der Künstler in Zeiten des Krieges.

Nicht alle Regionen Mitteleuropas waren in gleichem Maße vom Krieg betroffen – die Malerei in den Niederlanden erlebte eine Blütezeit, in Polen boomte die Architektur. In Deutschland entwickelte sich ein reger Literaturbetrieb, späthumanistische Schriften wie jene der Rosenkreuzer entwarfen Utopien einer besseren Welt. Das Verlagswesen, das sich auf die hoch entwickelte Tradition des Kupferstichs stützen konnte, florierte ebenfalls und brachte prächtig illustrierte Werke, aber auch populäre Flugblätter mit einer Mischung aus Information und Polemik heraus. Sprachgesellschaften verschrieben sich der „Reinigung der deutschen Sprache“ und förderten die deutschsprachige Literatur.

Julia Teresa Friehs