Die Habsburger übernehmen die Herrschaft Österreich

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Nach dem Sieg Rudolfs I. über Ottokar II. von Böhmen gelangten die Habsburger an das zuvor von den Babenbergern regierte Gebiet.

Die Schlacht im Marchfeld zwischen Jedenspeigen und Dürnkrut 1278 wurde zum welthistorischen Wendepunkt und zur Geburtsstunde der habsburgischen Dynastie in Österreich stilisiert. Die große Bedeutung des Sieges Rudolfs über Ottokar erschloss sich aber erst in längerer Perspektive: Unmittelbare Folge von Rudolfs Sieg war tatsächlich die habsburgische Machtübernahme in Österreich und der Steiermark, doch der spätere Aufstieg zur Großmacht war damit noch keineswegs vorgegeben.

Für die Untertanen änderte sich zunächst wenig: Die Habsburger hatten bald ähnliche Probleme mit den Landständen wie zuvor Ottokar. Rudolf verzichtete auf Böhmen und suchte einen Ausgleich mit Wenzel, dem Sohn des verstorbenen Ottokar und gleichzeitig seinem Schwiegersohn. Dann machte er sich an die Absicherung der ehemals babenbergischen Länder Österreich und Steiermark: 1282 belehnte er seine beiden Söhne Albrecht und Rudolf mit den Herzogtümern Österreich, Steiermark, Krain und der Windischen Mark „zur gesamten Hand“, also ungeteilt. Ab nun führten die Habsburger als ersten Titel den eines Herzogs von Österreich. Im folgenden Jahr wurde Albrecht in der „Rheinfelder Hausordnung“ zum alleinigen Regenten bestimmt. Das löste familieninterne Konflikte aus, die 15 Jahre später zur Ermordung Albrechts durch seinen Neffen Johann „Parricida“ führen sollten. Den verbündeten Meinhard II. von Tirol belehnte Rudolf mit Kärnten, das erst 1335 habsburgisch wurde.

Nachdem der König die Lage in Österreich zugunsten seiner Familie geregelt hatte, widmete er sich vermehrt der Politik im Heiligen Römischen Reich. Der Sturz der Staufer und die Nachfolgekonflikte im „Interregnum“ hatten jedoch die Machtposition des Königs geschmälert: Rudolf war zwar nicht erfolglos, aber verglichen mit anderen Regenten seiner Zeit, etwa dem König von Frankreich, hatte er weit geringere Geldmittel und Machtinstrumente zur Verfügung.

Zum Kaiser wurde Rudolf nicht mehr gekrönt: Unter den Päpsten Gregor X., Nikolaus III. und Honorius IV. stand er zwar jeweils kurz vor einer solchen Erhöhung seines Amtes, scheiterte aber immer knapp vor dem Ziel – entweder weil er selbst verhindert war oder weil der jeweilige Papst zur ungünstigen Zeit starb und sein Nachfolger nicht mehr zur Krönung bereit war. Daher konnte Rudolf seinen Sohn Albrecht nicht mehr vor seinem Tod 1291 zum Nachfolger wählen lassen – dieser wurde erst nach einem Zwischenspiel Adolfs von Nassau König.

Stephan Gruber