Der regierungsunfähige Kaiser: Ferdinand I.

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Ein untauglicher Kaiser? Kaiser Ferdinand I. wird oft als Witzfigur verhöhnt. Er ist aber eines der besten Beispiele dafür, dass ein "rechtmäßiger" Herrscher nicht unbedingt für sein Amt geeignet sein musste.

Ferdinand war der erstgeborene Sohn von Franz II./I. und deshalb der erbliche und „legitime“ Nachfolger seines Vaters auf dem Thron. Er litt an Epilepsie und war aufgrund krankheitsbedingter Anfälle nicht unbedingt ein vielversprechender Erbe für das Kaiseramt – als „Nandl der Trottel“ oder auch „Nanderltrotterl“ wurde Ferdinand I. deshalb verhöhnt. Franz beharrte trotzdem, nicht zuletzt auf Drängen Metternichs, der als eigentlicher starker Mann im Staat nur Interesse an einem schwachen Kaiser haben konnte, auf der „legitimen“ Nachfolge durch seinen Sohn: Die „Rechtmäßigkeit“ beruht nach diesem „Legitimitätsprinzip“ allein auf der dynastischen Abstammung, nicht auf persönlichen Fähigkeiten oder erworbenen Verdiensten.

Ferdinand wurde also nach dem Tod seines Vaters 1835 Kaiser von Österreich. Wegen seiner mangelnden Eignung wurde ihm die „Geheime Staatskonferenz“ zur Seite gestellt. Deren Vorsitz führte Erzherzog Ludwig, ein Bruder des verstorbenen Kaisers Franz II./I.; die weiteren Mitglieder waren Erzherzog Franz Karl, ein Bruder Ferdinands, sowie die eigentlich tonangebenden Personen: Staatskanzler Metternich und dessen Gegenspieler, der Staats- und Konferenzminister Franz Anton Graf von Kolowrat-Liebsteinsky. Großen Einfluss übte auch Erzherzogin Sophie aus, die Mutter des späteren Kaisers Franz Joseph, die wegen ihrer politischen Macht den Ruf als „einziger Mann am Hof“ hatte. Unter dieser Vormundschaft segnete Ferdinand lediglich die Entscheidungen der Staatskonferenz ab und folgte so dem Ratschlag seines Vaters, nichts zu verändern. Aufgrund seiner Harmlosigkeit erfreute sich der Kaiser großer Beliebtheit als „Ferdinand der Gütige“ – dieser Beiname wurde jedoch in Anspielung auf sein Äußeres in einem bissigen Wortspiel in die Bezeichnung „Gütinand der Fertige“ umgedreht.

Im Zuge der revolutionären Ereignisse von 1848 soll Ferdinand im Angesicht der protestierenden Wiener Bevölkerung Metternich gefragt haben: „Was mach’n denn all die viel’n Leut‘ da? Die san so laut!“ („Was machen denn die vielen Leute hier? Die sind so laut!“) Dieser antwortete: „Die machen eine Revolution, Majestät.“ Ferdinand darauf konsterniert: „Ja, dürfen’s denn des?“ („Dürfen sie das denn?“) Es sollte sich herausstellen, dass diese rhetorische Frage andere zu beantworten hätten – Ferdinand musste in Folge der revolutionären Auseinandersetzungen Wien verlassen. Er floh zunächst nach Innsbruck und schließlich nach Olmütz, wo er zugunsten seines Neffen Franz Joseph abdankte.

Stephan Gruber