1747–1792

Der Kurzzeitkaiser – Leopold II. auf dem Kaiserthron

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Leopolds Reformtätigkeit in der Toskana wurde 1790 durch den Tod Josephs II. unterbrochen. Da sein ursprünglich als Nachfolger auf dem Kaiserthron vorgesehene Sohn Franz als noch zu unreif für die Übernahme der Regentschaft galt, folgte Leopold als nächstältester Bruder dem verstorbenen Kaiser auf den Thron nach.

In Wien stand Leopold vor dem Scherbenhaufen des durch den Widerstand und des Adels und der Kirche aber auch weiter Teile der Bevölkerung steckengebliebenen Reformwerkes Josephs II.

Zunächst konzentrierte er sich auf Schadensbegrenzung im Bereich der Außenpolitik. Der von Joseph leichtfertig begonnene Konflikt mit dem Osmanischen Reich wurde durch den Frieden von Sistowa 1791 beendet. Der drohende Krieg mit Preußen konnte durch die Konvention von Reichenbach 1790 abgewendet werden, dank der es zu einer Abgleichung der Interessen zwischen den beiden rivalisierenden Großmächten kam. Dies geschah, um die Kräfte zu schonen, denn den Hintergrund für die Übereinkunft bildete nicht zuletzt die wachsende Sorge ob der Entwicklung der Französischen Revolution. Leopold stand den Forderungen der revolutionären Kräfte nach der Einschränkung des feudalen Despotismus anfangs durchaus positiv gegenüber, entsprachen sie doch zum Teil seinen eigenen Reformbestrebungen. Als sich die Entwicklung radikalisierte, wandelte sich seine Einstellung, und Leopold sah darin eine Bedrohung für seine Monarchie.

Innerhalb der Monarchie galt es als brennendstes Problem den Aufstand in den Österreichischen Niederlanden durch Kompromisse zu entschärfen. Auch Tirol und vor allem Ungarn standen knapp vor einer bewaffneten Revolte. Hier wurden etliche Reformen Josephs II. zurückgenommen, und der Abwehrhaltung des Adels die Grundlage entzogen.

Leopold gelang eine Festigung seiner Stellung, die durch seine Wahl und die Krönung zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches in Frankfurt im Oktober 1790, sowie durch die Krönung zum König von Ungarn (1790) und Böhmen (1791) demonstriert wurde.
Gerade als die Situation sich entschärft hatte, starb Leopold plötzlich und unerwartet am 1. März 1792 im Alter von 44 Jahren. Der Grund seines Todes war höchstwahrscheinlich eine Rippenfellentzündung. Der rasante Verlauf seiner tödlichen Erkrankung nährte unter manchen Zeitgenossen das Gerücht einer Vergiftung, was aber von modernen Historikern als unwahrscheinlich verworfen wurde. Leopold liegt in der Wiener Kapuzinergruft in einem einfachen Sarkophag bestattet. Sein monumentales Kenotaph, das ursprünglich seine Grablege zieren sollte, steht heute etwas versteckt in der Georgskapelle des Wiener Augustinerklosters. 

Martin Mutschlechner