Das Achilleion auf Korfu – Elisabeths Flucht in die Antike

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Laut eigenen Angaben war Elisabeths Seele schon dort, als ihr Körper per Schiff hinterher reiste: in Griechenland. Begeistert setzte Elisabeth ihren Ehemann kurzerhand davon in Kenntnis, nach Korfu auszuwandern.

Dass Elisabeth, seine Frau und immerhin die Kaiserin von Österreich, nach Griechenland umzog und ihrem Gemahl und der Monarchie dauerhaft den Rücken kehrte, traf bei Franz Joseph erwartungsgemäß auf wenig Zustimmung. Doch Elisabeth hatte beschlossen, künftig ein Leben „stillem Sinnen nur geweiht“ zu führen. Der „schreiende Grieche“, der „Buckelige“, der „Parfümierte“ und der „Großhaxerte“, wie der Kaiser die Griechischlehrer seiner Frau verächtlich nannte, bereiteten sie mit intensiven Studium der griechischen Sprache und Kultur auf ihr neues Leben vor. Durch die faszinierenden Ausgrabungen und Publikationen des berühmten deutschen Archäologen Heinrich Schliemann, dem Entdecker Trojas, kam die Beschäftigung mit der griechischen Antike in den 1870er und 1880er Jahren in Mode und entfachte auch Elisabeths Begeisterung für die Antike.

So ließ sich Elisabeth ein Schloss auf Korfu errichten – eine große finanzielle Belastung für den privaten Geldbeutel des Kaisers. Archäologische Funde dienten den Architekten als Vorbild. Die Möbel wurden antiken Vorbildern im pompejanischen Stil nachempfunden, was sich als äußerst unbequem herausstellen sollte. Lediglich die für Franz Joseph vorgesehenen Räume wurden mit modernen Möbeln ausgestattet. Doch der Kaiser besuchte seine Frau auf Korfu niemals. Elisabeths  liebstem Held der griechischen Mythologie, Achill, zugleich Namengeber des Gebäudes, wurde vor dem Haus ein Denkmal gesetzt. Weitere Büsten zeigten von Elisabeth verehrte Dichter und Philosophen von Homer über Shakespeare bis Heine.

Kaum war das Achilleion fertig gestellt, bemerkte die Kaiserin jedoch ernüchtert: „Unsere Träume sind immer schöner, wenn wir sie nicht verwirklichen.“ Sechs Jahre nach dem Abschluss der Bauarbeiten gab Elisabeth Korfu daher auf. Die Kaiserin drängte darauf, das Gebäude zu verkaufen, was Franz Joseph jedoch ablehnte. Nach dem Tod Elisabeths ging das Anwesen an ihre Tochter Gisela, die es an den deutschen Kaiser Wilhelm II. verkaufte. Danach hatte das Gebäude eine abwechslungsreiche Nutzungsgeschichte vorzuweisen: vom diplomatischen Zentrum unter Wilhelm II., über die Nutzung als Lazarett im Ersten Weltkrieg, Sitz der deutschen Besatzungsmacht im Zweiten Weltkrieg zum Spielcasino. Heute dient das Achilleion als Museum wieder dem Andenken an Elisabeth.

Sonja Schmöckel