Buchproduktion im Mittelalter

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Wie sahen Bücher im Mittelalter aus? Wer schrieb sie und womit? Vor der Erfindung des Buchdrucks war die Buchherstellung eine manuelle Angelegenheit.

Größe und Ausstattung mittelalterlicher Bücher variierten – nur wenige Zentimeter hohe Gebetbücher existierten neben bis zu meterhohen Chorbüchern, in schlichtes Pergament gehüllte Stundenbücher neben aufwendig ausgestatteten Prachtexemplaren. Die Buchdeckel bestanden aus Holz, das mit Leder oder Pergament bezogen wurde, und waren meist mit Schließen versehen, um den spröden Buchblock, der liegend aufbewahrt wurde, verschlossen zu halten. Als man dazu überging, Bücher stehend zu verwahren, wurden diese Schließen überflüssig. Vielfach wurden Bücher in Bibliotheken an Regalen oder Schreibpulten angekettet, da sie mit kostbaren Prachteinbänden mit Elfenbein oder Edelsteinen versehen waren.

Anhand des Aufbaus und der Ausstattung konnten sich die Lesenden in den Texten orientieren: Initialen kennzeichneten die Anfänge von Kapiteln und gaben bildlich ausgestaltet in gekürzter Form den Inhalt des folgenden Textes wieder. Bilder dienten als Illustrationen und Interpretationshilfen für die Lesenden.

Aus Abbildungen von Schreibenden kann man rekonstruieren, wie geschrieben wurde. Sie saßen an einem Schreibpult und arbeiteten mit dem ganzen Arm beim Ausführen der Schriftzeichen, nicht nur mit der Hand. In der anderen Hand hielten sie ein Messer zum Festhalten des Schreibmaterials sowie zum Ausradieren (lat. radere heißt schaben, kratzen) von Fehlern. Geschrieben wurde mit der Feder einer Gans oder eines Schwans, die schräg zugeschnitten war und während des Schreibens immer wieder nachgeschnitten werden musste. Braune Tinte wurde vorwiegend aus Schlehdorn gewonnen, indem man diesen aufkochte, eindickte, trocknete und anschließend in Wein auflöste. Daneben gab es auch noch die Farben Rot, Grün, Schwarz, Blau, Weiß, Gold und Silber, die auf unterschiedliche Weisen hergestellt wurden.

Neben Künstlerpersönlichkeiten in der bildenden Kunst traten seit dem 13. Jahrhundert Schreiber und Buchmaler eigenständig auf, signierten teilweise ihre Werke und unterhielten Werkstätten. Ab 1200 verloren die Klöster ihre Führungsrolle bei der Buchproduktion an professionelle Schreibstuben, die von Laien betrieben wurden und in Massenproduktion Stundenbücher, aber auch einzelne Prachtexemplare für wohlhabende Stifter herstellten.

Julia Teresa Friehs