1282–1406

Bruderzwiste und Herrschaftsteilungen

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Zwischen 1379 und 1490 regierten in den habsburgischen Ländern mehrere Linien: Mit den jüngeren Brüdern Herzog Rudolfs IV., die sein Erbe antraten, folgten Jahrzehnte der Teilungen des habsburgischen Besitzes.

Nach dem frühen Tod Herzog Rudolfs IV. geriet die habsburgische Landesherrschaft in eine Krise: Albrecht III. und Leopold III., zwei Brüder Rudolfs, folgten ihm nach; Albrecht übernahm als älterer die Leitung der Regierung. Unterstützt vom Kaiser konnten die beiden Brüder die ersten Krisenjahre halbwegs unbeschadet überstehen, und es gelangen einige bedeutende Erwerbungen wie etwa Freiburg im Breisgau. Die schlechte Finanzlage versuchten die Brüder unter anderem dadurch zu lösen, dass sie um 1370 alle Juden in den Städten gefangen nehmen ließen, um Lösegeld zu erpressen.

Nach einigen Jahren gemeinsamer Herrschaft der beiden Brüder verlangte Leopold, der Jüngere der beiden, mehr Entscheidungskompetenzen. Ein erster Kompromiss hielt nicht lange, sodass die beiden im Herbst 1379 im Zisterzienserkloster Neuberg an der Mürz zusammentrafen, um eine endgültige Lösung zu finden: Im Neuberger Teilungsvertrag wurde festgelegt, dass Albrecht in den österreichischen Ländern an der Donau regierte. Leopold erhielt die Steiermark, Kärnten, Krain, Tirol und die Vorlande. Damit sollte das Haus Habsburg für mehr als 100 Jahre in zwei, zeitweilig sogar drei Linien gespalten sein.

Herzog Leopold III. starb 1386 im Kleinkrieg gegen die Eidgenossen in der Gegend von Luzern. Nach einigen Jahren der Alleinherrschaft Albrechts III., in denen dieser weitere Gebiete erwerben konnte, kam es nach seinem Tod erneut zu innerfamiliären Machtkämpfen: Zunächst regelte der Hollenburger Vertrag die Machtteilung zwischen Albrecht IV., Sohn von Albrecht III., und den vier Söhnen Leopolds III. Doch die Erbstreitigkeiten schwächten die habsburgische Macht in dieser Zeit zugunsten der Stände, und die Konflikte gingen weiter. 1407 kam es zwischen den beiden Brüdern Ernst „dem Eisernen“ und Leopold IV. zu mehrjährigen bewaffneten Auseinandersetzungen.

Das Ergebnis dieser Familienkämpfe war, dass sich drei Ländergruppen formierten: Donauösterreich (Herzogtum Österreich ob und unter der Enns), Innerösterreich (Steiermark, Kärnten, Krain) sowie Tirol und die Vorlande. Die albertinische Linie regierte in Donauösterreich, die leopoldinische teilte sich 1406 wiederum in einen steirischen (Ernst der Eiserne) und einen Tiroler Zweig (Herzog Friedrich IV.). Die Landstände waren in alle diese Konflikte eingebunden und konnten so an Macht gewinnen.

Stephan Gruber