Albrecht VI.: Der ehrgeizige Zweite

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Herzog Albrecht VI. war eine kontroversielle Gestalt und symptomatisch für die Krisenzeit der Dynastie im 15. Jahrhundert. Der Konflikt mit seinem Bruder Kaiser Friedrich III. verkomplizierte die ohnedies schwierige Situation.

Albrecht kam als zweiter Sohn von Herzog Ernst von Steiermark und dessen zweiter Gemahlin Cimburgis von Masowien am 18. Dezember 1418 zur Welt. Nach dem frühen Tod des Vaters wuchs er gemeinsam mit seinem älteren Bruder Friedrich in Innsbruck unter der Vormundschaft des Onkels Herzog Siegmund von Tirol auf.

Der Jüngere stand im Schatten von Friedrich, der aufgrund des Todes von Siegmund 1439 zunächst der Senior der Leopoldinischen Linie der Dynastie wurde, und dem darüber hinaus nach dem im selben Jahr verstorbenen Albrecht V. auch die Verfügungsgewalt über das Erbe der Albertinischen Linie zufiel. Der jüngere Bruder wurde zunächst mit Geld und der Regentschaft über die Vorlande, also die zersplitterten Reste des habsburgischen Stammbesitzes in Schwaben und im Allgäu, abgefunden. Die Hauptstadt dieses Territoriums, Freiburg im Breisgau, verdankt dem jungen Regenten 1457 die Gründung der Universität.

Der ehrgeizige  Albrecht drang jedoch auf eine Teilung des Erbes, vor allem nach dem plötzlichen Tod des Erben der Albertinischen Linie, Ladislaus Postumus (1457). Der jüngere Bruder verlangte von Friedrich die Abtretung der Herrschaft über das Herzogtum Österreich (also im heutigen Verständnis Ober- und Niederösterreich samt Wien). Der Konflikt begann.

Friedrich versuchte seinen Bruder mit der Übergabe von Oberösterreich zu besänftigen: Albrecht nahm seine Residenz in Linz, und für Oberösterreich bedeutete die Anwesenheit eines eigenständigen Regenten die endgültige Emanzipation von Niederösterreich, mit dem es ursprünglich eine mehr oder weniger feste Einheit gebildet hatte.

Dank weitreichender Zugeständnisse an die Stände und großzügigen Schenkungen von Kammergut an seine Parteigänger – dies brachte ihm den Beinamen „der Großzügige“ ein – gelang es Albrecht, rasch eine starke Gefolgschaft im Adel aufzubauen. 1461 wagte er schließlich den offenen Kampf gegen seinen kaiserlichen Bruder, dessen Position in Niederösterreich aufgrund der machtpolitischen Entwicklungen im benachbarten Böhmen und Ungarn nicht unumstritten war. Albrecht stellte ein Heer auf und zog gegen Wien, wo Friedrich residierte. Die selbstbewusste Wiener Bürgerschaft, die mit Friedrichs Regierung unzufrieden war, nahm Partei für Albrecht und schloss den Kaiser mit seiner Familie und den verbliebenen Getreuen in der Wiener Burg ein. Eine viermonatige Belagerung brachte keine Entscheidung. Der Kaiser wurde schließlich durch das Eingreifen des böhmischen Königs Georg von Podiebrad gerettet.

Man einigte sich auf einen Kompromiss: Friedrich trat Albrecht für acht Jahre die Regentschaft in Niederösterreich ab und erhielt eine Abfindung. Der Kaiser zog sich daraufhin nach Wiener Neustadt zurück, das damals noch Teil der Steiermark war.

Albrechts Herrschaft in Niederösterreich war konfliktgeladen: Er verlor bald die Gefolgschaft der Wiener Bürgerschaft, die nun mit den wirtschaftlichen Folgen des Abzuges des Kaiserhofes konfrontiert war. Bürgermeister Wolfgang Holzer nahm geheime Verhandlungen mit Friedrich auf. Als dies bekannt wurde, ließ Albrecht den Bürgermeister und seine Vertrauten öffentlich als Hochverräter hinrichten. Das brutale Vorgehen brachte die Stimmung in Wien endgültig zum Kippen. Bevor die Situation eskalieren konnte, starb Albrecht am 2. Dezember 1463 unerwartet, höchstwahrscheinlich an einer Infektion, möglicherweise an der Beulenpest. Auch ein Giftmord wurde von seinen Zeitgenossen nicht ausgeschlossen.

Da Albrecht ohne Nachkommen starb – seine 1452 geschlossene Ehe mit der Wittelsbacherin Mechthild von der Pfalz (1419–1482; auch Mathilde genannt) blieb kinderlos – gingen seine Ansprüche auf seinen verhassten Bruder Friedrich über, der durch den Tod Albrechts von einem Problem erlöst wurde.

Martin Mutschlechner