Albrecht III. und das werdende Land Österreich

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Trotz der Linienteilung von 1379, die eine Schwächung der Macht bedeutete, führte Albrecht III. dank seines umsichtigen Agierens auf dem Gebiet der Innen- und Außenpolitik und nicht zuletzt dank seiner umfassenden Kulturförderung Österreich und das Haus Habsburg zu neuer Bedeutung.

Der 1379 im Zisterzienserkloster Neuberg an der Mürz geschlossene Vertrag zwischen den Brüdern Albrecht III. und Leopold III. führte zu einer Realteilung der habsburgischen Besitzungen bei Aufrechterhaltung der gegenseitigen Erbansprüche.

Laut den Bestimmungen erhielt Albrecht das Herzogtum Österreich (Ober- und Niederösterreich) samt dem Traungau und dem Salzkammergut.

Leopold bekam mit den Territorien der Vorlande den Stammbesitz der Habsburger sowie die Steiermark samt der Mark Pitten (Gebiet von Wiener Neustadt und Neunkirchen, also die südöstlichen Teile des heutigen Niederösterreichs). Außerdem gehörte zu Leopolds Herrschaftsgebiet auch Kärnten (damals nur das heutige Unterkärnten), Krain und Tirol sowie die Besitzungen in Istrien – allesamt Gebiete, wo die habsburgische Herrschaft aber noch neu und kaum verankert war.

Die Länderteilung stand in Gegensatz zu den Bestimmungen des Familienvertrages von 1364, in dem auf Initiative von Herzog Rudolf IV. die Unteilbarkeit der habsburgischen Länder festgelegt worden war. Dadurch sollte eine Spaltung verhindert werden, die durch die drei Söhne Albrechts II. drohte, und die unweigerlich zu einer Schwächung des Gesamthauses geführt hätte.

Nun trat genau dies ein und Konkurrenten der Habsburger wie das Haus Luxemburg profitierten von dieser Entwicklung. Zentraleuropa war damals geprägt von der Dominanz der Dynastie der Luxemburger, die die Würde des Herrschers des Heiligen Römischen Reiches (seit 1346) wie auch die böhmische Königskrone (seit 1310/11) innehatten.

Die Linienteilung wurde faktisch wieder aufgehoben, als nach dem Tod Leopolds III. in der Schlacht von Sempach 1386 gegen ein Heer der Schweizer Eidgenossen Albrecht die Vormundschaft für die minderjährigen Söhne des Bruders übernahm. Albrecht wurde die Stellung als Chef des Gesamthauses auf Lebenszeit zugesprochen.

Albrechts bedeutendste Leistung als Landesfürst war die konsequente Stärkung der Position des Landesherrn auf Kosten des Adels. Dem Herzog gelang es, Territorien einiger reichsunmittelbarer Familien wie der Grafen von Hardegg oder Schaunberg, die in Gemengelage mit landesfürstlichen Gebieten lagen, unter seine Gerichtshoheit zu bringen und damit de facto an Österreich anzuschließen. Ein engerer Zusammenhalt der heterogenen Territorien der Erblande war die Folge. Erstmals bildet sich so etwas wie ein gesamtösterreichisches Landesbewusstsein, begründet auf der gemeinsamen Herrschaft durch das Haus Habsburg.

In diesem Zusammenhang stehen auch die mehrfachen Versuche Albrechts, den Adel seiner vielfältigen Territorien durch die Gründung der im Spätmittelalter so beliebten Ritterorden an seinen Hof zu binden. Keiner der von Albrecht initiierten Hausorden sollte seinen Begründer überleben. Am Bekanntesten ist noch der „Zopforden“ (oder „Orden von der Locke“), der wahrscheinlich zu Ehren seiner Gemahlin Beatrix gegründet worden war, und dem Albrecht seinen ungewöhnlichen Beinamen „mit dem Zopf“ verdankte.

Große Bedeutung hatte die Herrschaft Albrechts auch auf dem Gebiet der österreichischen Kulturgeschichte. Selbst überdurchschnittlich gebildet und erster bedeutender Kunstmäzen der Dynastie, förderte er die 1365 von seinem Bruder Rudolf gegründete Wiener Universität, die in ihm ihren zweiten Gründer gefunden hatte. Albrecht holte bedeutende Gelehrte der Spätscholastik nach Wien. Außerdem erreichte er dank seiner pro-römischen kirchenpolitischen Ausrichtung in der Zeit des päpstlichen Schismas die Bestätigung einer theologischen Fakultät, was die Wiener Alma Mater erst zu einer vollwertigen Hochschule werden ließ.

An der Bildung des später so ausgeprägten monarchischen Sendungsbewusstseins der Habsburger hatte Albrecht seinen Anteil dank der auf ihn zurückgehenden Initiative zur Erstellung der „Chronik der 95 Herrschaften“, eines Geschichtswerks, das erstmals eine Art Zusammenschau der Landesgeschichte Österreichs mit stark pro-habsburgischer Ausrichtung bot.

Seine gestärkte Position erlaubte es ihm, die Bedeutung des habsburgischen Hauses gegenüber seinen Nachbarn wieder zu stärken. Albrecht nützte nun die Schwäche des Hauses Luxemburg nach dem Tod Kaiser Karls IV. (1378), der bestimmenden Gestalt auf dem Kaiserthron im 14. Jahrhundert. Die wenig glückliche Regentschaft von dessen Sohn und Nachfolger in Böhmen und im Reich, Wenzel IV. (1361–1419), führte die Dynastie Luxemburg in eine tiefe Krise.

Die wiedererlangte Bedeutung des Hauses, die es Albrecht erlaubte, sich als möglichen Kandidaten für die Reichskrone zu positionieren, erlitt 1395 durch seinen plötzlichen Tod im Alter von knapp 47 Jahren einen empfindlichen Rückschlag. Der Herzog starb auf Schloss Laxenburg, seinem Lieblingssitz, das durch ihn ausgebaut und zu einem bedeutenden Schauplatz habsburgischer Geschichte wurde.

Begraben wurde Herzog Albrecht III. in St. Stephan in Wien, dessen von seinem Bruder Rudolf IV. begonnenen spätgotischen Ausbau er weiterführte. 

Martin Mutschlechner