Albrecht II., der Pragmatiker

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Albrecht entwickelte sich aus einer anfänglich aussichtslosen Position als nachgeborener  Sohn und trotz einer schweren körperlichen Behinderung dank seines pragmatischen Vorgehens zu einem bedeutenden Herrscher. Ihm verdankt die Dynastie die Festigung der habsburgischen Hausmacht sowie den Erwerb von Kärnten und Krain.

Albrecht war der vierte von sechs Söhnen von König Albrecht I.,  und Elisabeth von Görz, der Tochter von Meinhard II., Herzog von Kärnten und Tirol. Es wird angenommen, dass der Ende des Jahres 1298 geborene Albrecht der Zwillingsbruder von Heinrich war – genaue Geburtsdaten sind jedoch von beiden nicht überliefert.

Als nachgeborener Sohn hatte Albrecht wenige Aussichten auf eine Regentschaft. Daher durchlief er eine Ausbildung zum Kleriker, was zur Folge hatte, dass Albrecht eine für seine Zeit überdurchschnittliche Bildung genoss. Mit 15 Jahren wurde er vom Passauer Domkapitel zum Bischof gewählt, die Wahl wurde aber von Papst nicht anerkannt. 1317 verzichtete er auf die Pfründe und wechselte in den weltlichen Stand zurück.

1324 erfolgte seine Heirat mit Johanna von Pfirt (1300–1351). Diese brachte ihm die oberelsässische Grafschaft Pfirt (franz. Comté de Ferrette) in die Ehe ein. Das Gebiet blieb als Teil Vorderösterreichs bis 1648 unter habsburgischer Herrschaft. Seither gehört es zu Frankreich.

1326 wurde ihm die Verwaltung der Vorlande abgetreten. Nachdem bereits drei seiner Brüder verstorben waren, starb 1330 auch das bisherige Oberhaupt des Hauses, sein älterer Bruder Friedrich, dessen Leben vom vergeblichen Versuch geprägt war, die Reichskrone für sein Haus zu erlangen.

Albrecht, nun der Senior des Hauses, verzichtete auf die Fortführung dieses Planes und akzeptierte die Herrschaft Kaiser Ludwigs des Bayern aus dem Haus Wittelsbach.

Albrecht II. regierte gemeinsam mit seinem jüngeren Bruders Otto, ohne mit dessen eigenwilliger und unsteter Politik immer zu harmonieren. Erst nach dem Tod Ottos 1339 wurde Albrecht der alleinige und unumstrittene Herrscher in Österreich und der Steiermark.

Schon bei seinem Regierungsantritt 1330 zeigten sich bei Albrecht erste Spuren einer ernsten Erkrankung, die zu einer Lähmung der Hände und Beine führte und die ihm seinen Beinamen „der Lahme“ einbrachte. Unter den Zeitgenossen galt ein missglückter Giftmordanschlag als erwiesen. In neuerer Zeit ging man von den Folgen einer Lebensmittelvergiftung aus. Erst eine 1985 durchgeführte Obduktion brachte Gewissheit: Der Habsburger litt an Polyarthritis, einer äußerst schmerzvollen Form von Gelenksrheumatismus.

Obwohl körperlich stark beeinträchtigt – er konnte kaum gehen, geschweige denn reiten – gilt Albrecht II. als bedeutender Herrscher. Während seiner 28 Jahre währenden Regentschaft kam es zur endgültigen Verwurzelung der Habsburger in den österreichischen Landen, die sie nun in zweiter Generation beherrschten: Aus Schwaben waren Österreicher geworden. Ein sichtbares Zeichen dafür war die Gründung der Kartause Gaming in den niederösterreichischen Voralpen durch Albrecht, der diese zu seiner Grablege bestimmte.

Unter die Regentschaft Albrechts fiel auch die Erwerbung von Kärnten und der Markgrafschaft Krain 1335 aus dem Erbe nach Heinrich VI. von Görz, seinem Onkel mütterlicherseits.

Albrechts lange Regentschaft war geprägt von seinem gemäßigten Vorgehen – daher auch sein zweiter Beiname „der Weise“. Der Habsburger galt als angesehener Reichsfürst, sein Rat war in einer turbulenten Zeit gesucht. 1348/49 forderte die Pest in ganz Europa unzählige Todesopfer. Überhaupt galt die Mitte des 14. Jahrhunderts als Katastrophenzeit: Erdbeben und Heuschreckenplagen suchten die österreichischen Lande heim. Als Reaktion darauf kam es, angeheizt durch die zeitgenössische antijüdische Propaganda, in einigen österreichischen Städten zu ersten Judenverfolgungen. Die bedachtsame Regierung Albrechts war hier ein wichtiges Korrektiv: der Herzog ging mit harten Strafen gegen die Anführer der Pogrome vor.  

Martin Mutschlechner