1255–1308

Albrecht I.: Aufstieg und Fall

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Nach dem Tod von König Rudolf I. 1291 zeigte sich, dass sich die von Rudolf angestrebte Erblichkeit der Königswürde im Haus Habsburg nicht durchsetzen ließ. Die Kurfürsten wählten nicht Albrecht, sondern Adolf von Nassau zum neuen König, da sie die Entstehung einer habsburgischen Königsdynastie im Keim ersticken wollten.

Albrecht war angesichts der ungefestigten Machtstellung seines Hauses in den gerade erst erworbenen österreichischen und steirischen Ländern gezwungen, die Wahl Nassaus fürs Erste anzuerkennen. In Österreich war der Habsburger 1295 mit einem neuerlichen Aufstand konfrontiert. Auch begann nun der Konflikt mit der als Trutzbündnis gegen die expandierenden Habsburger geschlossenen Schweizer Eidgenossenschaft.

Die ohnedies prekäre Position des Habsburgers wurde durch eine schwere Erkrankung – die Zeitgenossen gingen von einem Giftmordanschlag aus – erschüttert. Albrecht überlebte mit knapper Not: Der Herzog wurde mit den brachialen Methoden der zeitgenössischen Medizin behandelt und kopfüber aufgehängt, um das vermeintliche Gift auslaufen lassen zu können. Diese Therapie kostete Albrecht ein Auge.

1297 sah Albrecht die Zeit gekommen, um nach der Reichskrone zu greifen: er ließ sich zum Gegenkönig von König Adolf ausrufen, der zunehmend an Unterstützung unter den Reichsfürsten verlor. Die Entscheidung fiel auf dem Schlachtfeld: Adolf wurde in der Schlacht von Göllheim in Rheinhessen 1298 getötet. Am 24. August 1298 wurde Albrecht in Aachen feierlich zum König gekrönt. Die Königswürde war für das Haus Habsburg gewonnen.

Wie zuvor in den österreichischen Landen erwies sich Albrecht auch im Reich als ein durchsetzungskräftiger Herrscher. Er betrieb eine eigenständige Außenpolitik, die auf eine Annäherung an Frankreich abzielte, und schränkte die Macht der Reichsfürsten dank wirkungsvoller wirtschaftspolitischer Maßnahmen ein, mit denen er die Reichsstädte für sich gewinnen konnte.

Albrecht versuchte auch in die Entwicklung in Ungarn einzugreifen. Er sicherte sich die Unterstützung von König Andreas III., mit dem er seine Tochter Agnes vermählte. Nach dem Tod des Ungarn – Andreas war das letzte männliche Mitglied der magyarischen Herrscherdynastie der Arpaden – versuchten die böhmischen Přemysliden das Königreich Ungarn unter ihre Kontrolle zu bringen. Albrecht unterstützte hingegen die Machtübernahme des Gegenkandidaten Karl Robert von Anjou, der ein Neffe Albrechts war, und sich schließlich durchsetzen konnte.

Nach dem Aussterben des böhmischen Königsgeschlechts der Přemysliden nach der Ermordung von König Wenzel III. 1306 nützte Albrecht die sich ihm bietende Gelegenheit und belehnte seinen ältesten Sohn Rudolf (III.) mit der Krone Böhmens. Zur Festigung des habsburgischen Anspruchs auf Böhmen vermählte er seinen Sohn mit der jungen Stiefmutter des letzten Přemysliden, Ryksa. Rudolf starb jedoch bereits im folgenden Jahr. Die Pläne Albrechts, nun seinen nächstältesten Sohn Friedrich I. in Böhmen zu etablieren, scheiterten.

In dieser für die Zukunft des Hauses so komplexen Situation fiel Albrecht einem Mordanschlag zum Opfer: am 1. Mai 1308 wurde er am Ufer des Flusses Reuß im Aargau von seinem Neffen Johann („Parricida“) ermordet. Johann lauerte seinem Verwandten mit einigen Mitverschwörern auf und wartete den geeigneten Moment ab: Bei der Flussüberquerung wurde der Herzog von seinem Gefolge getrennt und von einem Schwerthieb Johanns niedergestreckt. Hintergrund der Bluttat war die ungelöste Frage der Abfindung der Ansprüche von Johanns Vater Rudolf II., dem jüngeren Bruder Albrechts.

Albrecht wurde zunächst im Kloster Wettingen (in der heutigen Schweiz) bestattet. 1309 wurde sein Leichnam auf Veranlassung von Kaiser Heinrich von Luxemburg in den Dom von Speyer, die traditionelle Grablege der Herrscher des Heiligen Römischen Reiches, transferiert.

Mit Albrecht verlor das Haus Habsburg einen seiner tatkräftigsten Repräsentanten. Sein jäher Tod bedeutete einen massiven Rückschlag für entstehende Dynastie und in der Folge das Ende der Bemühungen, die Reichskrone in der Familie zu halten.

Martin Mutschlechner